Wir liefern Grundlagen

Ingeborg Apel

Ehemalige Kaufmännische Angestellte

Ingeborg Apel Oskars Einstieg bei AO
„Ich war eigentlich immer zufrieden bei Oppermanns. Muss ich echt sagen. Sonst wär ich ja im Leben nicht so lange in der Firma geblieben“, erzählt uns Ingeborg Apel, als wir sie Ende August in der Entengasse in Hedemünden besuchen – der Straße, in der auch Bernhard Oppermann als Kind aufgewachsen ist: „Immer, wenn ich Bernhard später irgendwo getroffen habe, fragte er mich: 'Na Oskar, wie geht es Dir denn?' Das war so ein Spitzname, den ich mal vor 50 Jahren hatte. Ich habe früher immer gern mit kleinen Kindern gespielt und dann nannten die Leute mich immer ‚Oskar der Familienvater‘ (Anm. d. Red.: „Oskar der Familienvater“ ist der Titel eines Comics von Carl Ernst Fischer, der von 1952 bis 1962 regelmäßig in der Frankfurter Illustrierten erschienen ist).

1944 in Northeim geboren, zog Ingeborg Apel in Kriegszeiten mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern – ihr Vater kehrte aus dem Krieg nicht zurück – nach Hedemünden zu den Großeltern und ging dort zur Schule. Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung in einem Haushaltswarengeschäft in Kassel, arbeitete sie zunächst für ein paar Jahre in einem Hann. Mündener Papierwarengeschäft im Verkauf, wollte dann aber gern wieder zurück ins Büro: „Und da habe ich dann bei Oppermann angefragt, weil die Firma hier in der Gegend natürlich ein Begriff war. Ich konnte dann auch gleich da anfangen. Ich weiß noch: Ich bin da reingekommen – es war ja damals alles anders gebaut als heute. Dann waren da so riesige Holztröge, in denen die ganzen Karteikarten aufbewahrt wurden. Und dann wurde ich eingeführt von Fräulein Bünger, die mir dann gesagt hat, was ich machen soll. Damals mussten wir ja auch noch sonnabends arbeiten und da hab ich dann gesagt: ‚Och, das ist aber schön, dann brauche ich zuhause nichts zu tun.‘ Die anderen Mitarbeiter fanden das eher nicht so gut“, lacht sie.

Nach einer kurzen Einarbeitungsphase war Ingeborg Apel vor allem mit der Bearbeitung der Lieferscheine betraut, die von den einzelnen Werken ans Büro weitergegeben wurden: „Die wurden ja noch per Hand geschrieben und dann mussten wir immer Informationen z.B. zum Kunden heraussuchen – entweder wir hatten den Kunden schon in unserer Kartei, oder wir mussten im Telefonbuch nachgucken. Meist waren sie auf den Scheinen nicht genau eingetragen, weil die Kollegen im Werk sich gedacht haben ‚Naja, die im Büro werden das schon finden‘. In den ersten Jahren haben wir auch die Rechnungen noch selbst geschrieben, vor allem im Winter, wenn nicht so viel los war. Das war so die Hauptarbeit, die wir gemacht haben. Naja, wir hatten ja auch einen Haufen Kunden. Das war schon Arbeit und gerade im Sommer war da ganz schön was zu tun“, erinnert sie sich.

Oskar zieht in die weite Welt
An ihrer Tätigkeit bei August Oppermann schätzt sie auch heute noch das gute Verhältnis, dass unter den Kolleginnen im Büro herrschte: „Es war eigentlich ein gutes Klima, wir haben uns alle gut verstanden. Auch Fräulein Bünger, die für uns im Büro zuständig war. Wenn man mit ihr redete, konnte man alles von ihr haben. Gut, wir haben auch mal Überstunden gemacht, wenn sie gesagt hat: ‚Los, wir müssen jetzt fertig werden, egal wie!‘ Das hat uns nicht gejuckt. Die haben wir auch nicht aufgeschrieben. Hauptsache, es wurde fertig. Aber andererseits war sie immer ein Mensch, zu dem man sagen konnte: ‚Ich brauche mal Urlaub, ich muss mal raus.‘ Da hat sie nie Nein gesagt, das muss ich echt sagen. Fräulein Bünger war schon gut.“

Als in der Buchhaltung nach einiger Zeit das Lochkartensystem eingeführt wurde, weckten die neuen Arbeitsabläufe Ingeborg Apels Neugier: „Da wurden mit einer Maschine die Lochkarten erstellt und die Lieferscheine, Kundennummern usw. eingegeben. Die Lochkarten wurden dann nach Marburg ins Rechenzentrum geschickt. Und irgendwann wollte ich dann eben wissen, was genau damit in Marburg passiert“, schildert die 67-Jährige, die 1967 erst für zwei Jahre zur Sparkasse nach Marburg wechselte und dann für ein weiteres Jahr in Frankfurt arbeitete, weil die Weiterbearbeitung der Lochkarten damals an eine in Frankfurt ansässige Firma abgegeben wurde.

Nachdem Ingeborg Apel ihren Wissensdurst gestillt hatte, arbeitete sie nach ihrer Heirat 1969 für zwei weitere Jahre wieder bei August Oppermann: „Damals hatte ich dann schon ein Kind, auf das meine Mutter immer aufgepasst hat, aber als dann das zweite kam, hat sie gesagt: ‚Nee, nee, das sind Deine Kinder. Also, sieh zu!‘ Ich bin dann eine ganze Zeit lang zuhause geblieben, bis der Kleine in die Schule kam. Damals rief die Firma immer bei mir an und hat nachgefragt, ob ich nicht wieder kommen wolle. Und dann habe ich da wieder angefangen.“ Um Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen, arbeitete Apel nur noch halbtags, von 8 bis 13 Uhr: „Als mein Sohn 5 oder 6 Jahre alt war und in die Schule kam, da kam er danach auch schon mal zu uns ins Büro. Eigentlich sollte er ja nach Hause zur Oma gehen. Aber Fräulein Bünger hat dann oft gesagt: ‚Komm her, Du darfst mal auf der Schreibmaschine tippen!‘ Fräulein Bünger hatte auch ein Nachsehen mit Ingeborg Apel, wenn es um ihre große Leidenschaft, die Kirmes in Hedemünden, ging: „Wenn zum Beispiel Kirmesmontag war und der Musikumzug kam vorbei, dann sagte sie schon immer zu mir: ‚Mensch, hau ab!‘ Ich war nämlich schon immer intensiv bei der Kirmes eingebunden“, erzählt sie mit leuchtenden Augen: „Die Kirmes war für uns immer das Highlight. Mein Mann war jahrelang erster Vorsitzender im Verein. Seit 1969 gestalte ich regelmäßig den Kirmeswagen, jedes Mal schmücken wir ihn anders.“

Oskar, der Vereinsmensch
Seit ihrem 60. Geburtstag kann Ingeborg Apel sich diesem und zahlreichen weiteren Hobbies noch weitaus intensiver widmen, da sie am 4. Februar 2004 in Rente gegangen ist: „Naja, zuerst hat man gedacht, man hat Urlaub. Aber dann hatte ich mich daran gewöhnt. Ich habe meinen Garten hier und dann hab ich ja auch noch die ganzen Vereine. Einmal im Monat treffe ich mich mit ein paar Frauen aus unserem früheren Handballverein zum Kegeln oder Schwimmen, dann helfe ich bei unserem Weihnachtsmarkt, helfe als HSV-Mitglied mal auf dem Sportplatz und wie gesagt bei Kirmesumzügen. Also ich bin da eigentlich gut mit zurechtgekommen. Nicht, dass ich mich auf die faule Haut gelegt habe oder so. Also ich hatte immer etwas zu tun.“ Außerdem hat die aktive Hedemündenerin jedes Jahr wieder Gelegenheit, den Weihnachtsmarkt in ihrem Ort tatkräftig zu unterstützen: „Von der Entengasse braten wir da Puffer und machen Eiergrog. Die Frauen vom HSV machen Wurst und Adventskränze. Da sind wir auch den ganzen Winter mit beschäftigt. Ich sage ja, ich habe massig zu tun.“ Und dann sind da noch die verschiedenen Urlaube, die Ingeborg Apel im Jahr macht: „Ich war gerade in Irland mit meiner Schwester, das war toll! Das Gras ist dort wirklich grüner als bei uns. Wir waren jeden Tag in einem anderen Hotel. Wenn ich irgendwo hinfahre, dann will ich auch was sehen. Ich bin nicht der Typ, der sich an den Strand legt und sich von jeder Seite braten lässt.“

Hedemünden, August 2011