Wir liefern Grundlagen

Grete Bete

Ehemalige Kaufmännische Angestellte

Grete Bete Viel Verantwortung für einen jungen Menschen
„Ich werde nie vergessen, mit welchen Worten mein Vater mich Albert Mackenroth, dem damaligen Buchhalter der Firma Oppermann, an meinem ersten Arbeitstag vorgestellt hat: ‚Dat is mien Mäken. Wenn’s nicht pariert, dann kannst ihm wat um die Ohren geben.‘ So wurde ich damals in den Betrieb eingeführt!“, resümiert Grete Bete, die – 1935 geboren – in Hedemünden aufgewachsen ist. Eigentlich wollte sie später einmal Laborantin werden, doch ihr Vater, der damals eine kleine Landwirtschaft betrieben hat, war entsetzt, dass er seine Tochter auf einer viel zu teuren, höheren Schule wiederfand, als er aus dem Krieg zurückkehrte: „Ich musste dann mit der Schule aufhören, obwohl ich sehr gern weitergemacht hätte, aber damals waren schlechte Zeiten. 1948 war die Währungsreform, also an Geld hat’s überall gehapert.“

Schließlich nahm ihr Vater die Berufswahl seiner Tochter selbst in die Hand: „Früher trafen sich die Männer immer in der Gastwirtschaft und da hat mein Vater den damaligen Seniorchef Wilhelm Oppermann angesprochen, ob ich nicht bei ihm im Büro anfangen könnte.“ Nachdem sie sich in einem halbjährigen Privathandelsschulkurs in Göttingen die notwendigen Grundlagen für die Büroarbeit wie Schreibmaschine-Schreiben, Stenografie und erste Buchhaltungskenntnisse angeeignet hatte, begann am 1. Oktober 1950 Grete Betes berufliche Karriere bei der August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH.

Die damals 15-Jährige hatte anfangs Schwierigkeiten, sich in den Büroalltag einzufinden: „Ich war mit der Benutzung eines Telefons zu dem Zeitpunkt noch nicht vertraut. Wer hatte denn früher schon ein Telefon?“ Sie eignete sich ihre neuen Aufgaben jedoch sehr schnell an und übernahm schon bald sämtliche kaufmännischen Tätigkeiten: „Jede Woche wurde Lohn gezahlt, noch richtig in einer Lohntüte, denn damals hatten die Arbeiter noch kein Girokonto. Ich habe alle Lieferscheine bearbeitet, Rechnungen erstellt und so weiter…“

Grete Bete arbeitete schließlich so zuverlässig, dass sie mit Hilfe vom damaligen Seniorchef Wilhelm Oppermann schon im Alter von 17 Jahren ihren Führerschein machen durfte: „Und dann bin ich in die Werke gefahren, habe kaputte Maschinenteile abgeholt und repariert wieder zurückgebracht. Ich habe mich gut gefühlt, weil ich als junger Mensch schon so viel Verantwortung hatte. Die Firma hat sich dann auch sehr gut entwickelt und ich bin da hineingewachsen. Damals kam immer noch ein neues Werk hinzu und die Arbeit wurde dementsprechend mehr. Ich fühlte mich dafür verantwortlich, dass alles geschafft wurde.“

Wiedereinstieg nach 20 Jahren
1952 lernte Grete Bete ihren Mann kennen, der damals eine eigene Landwirtschaft in seinem Heimatort Laubach hatte. Um sich Grundkenntnisse in der Landwirtschaft anzueignen, verließ sie die Firma Oppermann Ende 1956 und besuchte für ein halbes Jahr die Landwirtschaftsschule in Witzenhausen. Danach folgten weitere fünf Monate bei AO, doch als die Betes 1957 heirateten „wollte mein Mann dann auch gern seine Frau im eigenen Betrieb haben. Oppermanns haben mich ungern gehen lassen, aber früher war es halt so: Wenn man geheiratet hat, gehörte man ins Haus“, erklärt die heute 76-Jährige. „Dann bin ich natürlich auch zu Hause geblieben, denn in der Landwirtschaft wurde jede Hand gebraucht.“

Dennoch stand Grete Bete auch in dieser Zeit noch in enger Verbindung zum Hause Oppermann und unterstützte die Familie unter anderem bei der Ausrichtung von betrieblichen und familiären Festen. Nachdem ihre Kinder, die 1959 und 1962 geboren wurden, mit ihrer Schulausbildung fertig waren und die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft mehr und mehr durch den Einsatz von Maschinen optimiert werden konnten, kümmerte sie sich wieder mehr um ihre eigene berufliche Karriere: Um selbst Lehrlinge ausbilden zu können, machte sie die Prüfung als Meisterin der landwirtschaftlichen Hauswirtschaft. „Aber dann hatte inzwischen meine Mutter bei Oppermanns als Köchin angefangen und erzählte mir, dass eine Halbtagsstelle vakant geworden sei und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, wieder zurück zu kommen.“

Im Januar 1977 - 20 Jahre später - fand sich Grete Bete schließlich im Büro der Firma Oppermann wieder. 20 Jahre, in denen sich besonders technisch viel verändert hatte: „Also das war sehr, sehr schwer für mich. Ich kannte weder elektrische Schreibmaschine noch elektrische Rechenmaschine und habe deshalb anfangs immer alles nochmal selbst nachgerechnet, um zu prüfen, ob die Zahlen auch stimmen. Und vor allem hatte man ja noch eine andere Erwartung an mich, weil ich – als ich ausgestiegen bin – eine tüchtige Kraft war. Und dann musste ich ja praktisch wieder von vorne anfangen. Das war nicht leicht, muss ich gestehen. Aber die Arbeiten, die ich dann übernommen habe, die habe ich auch gut gemacht“, berichtet sie stolz. Ihr neues Aufgabengebiet umfasste vor allem die Abrechnungen mit den Verpächtern der Kiesflächen, das Erstellen von Statistiken und das Führen der Pensionskasse.

Drei Generationen-Projekt
Als wir Grete Bete darauf ansprechen, dass es bemerkenswert sei, Mutter und Tochter in ein und derselben Firma vorzufinden, beginnt sie zu strahlen: „Auch mein Großvater väterlicherseits hat bei Oppermanns gearbeitet, als Kiesschürfer. Die Arbeiter sind ja damals noch mit Booten oder Schiffen rausgefahren und haben mit Schürfstangen den Kies aus den Gewässern geholt. Von daher war die Generation meines Großvaters schon bei Oppermanns und meine Mutter hat nun auch 10 Jahre dort gearbeitet. Deshalb hat Herr Oppermann immer voller Stolz gesagt, wenn er mich anderen Leuten vorgestellt hat: ‚Das ist jetzt schon die dritte Generation!‘“

Entsprechend hatte Grete Bete auch einen ganz besonderen Bezug zur Familie Oppermann: „Ich war mit der Familie praktisch verwachsen und wurde auch immer wieder zu Festen eingeladen.“ Auch heute weiß die Familie nicht nur ihre Gesellschaft, sondern auch ihre Back-Künste zu schätzen: „Wenn irgendeine Feier ist, zum Beispiel zu Geburtstagen, muss ich grundsätzlich einen Frankfurter Kranz backen. Bernhard Oppermann hat den sehr gerne gegessen. Kochen und Backen sind meine großen Hobbies“, schwärmt sie.

Diesen Hobbies geht die ehemalige Kaufmännische Angestellte vor allem seit ihrem Ruhestand 1995 intensiver nach. Schließlich hatte sie gleich zu Beginn ihres Rentnerinnen-Daseins zahlreiche hungrige Abnehmer zu versorgen: „Mittlerweile haben wir sieben Enkelkinder, die heute zwischen 16 und 23 Jahre alt sind. Als sie noch kleiner waren, habe ich für einen Teil der Kinder regelmäßig gekocht, habe sie zum Kindergarten gebracht oder vom Bus abgeholt. Oft hatte ich hier vier oder fünf von ihnen zum Mittagessen.“

Jetzt, wo ihre Enkelkinder fast alle erwachsen sind, verreist Grete Bete öfter mit ihrem Mann. „Mein Mann fährt gerne Fahrrad und da muss ich mit. Wir fahren dann streckenweise die Gegenden in Deutschland ab. Aber ich muss ganz ehrlich gestehen: Ich bin eine Heimwehtante. Länger als zehn Tage möchte ich sowieso nicht weg. Das kann ich einfach nicht. Ich habe Wurzeln unter den Füßen!“ Und ein Teil dieser Wurzeln verbindet sie auch heute noch mit der Firma August Oppermann ...

Laubach, Juli 2011