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Erich Beuermann

Ehemaliger Fahrer mit vielfältigen zusätzlichen Aufgaben

Erich Beuermann Vom LKW in den 600er Pullmann
„Mein erster inoffizieller Arbeitstag muss am 15. Oktober 1978 gewesen sein, denn der Chef, Bernhard Oppermann, hatte am 15. Oktober Geburtstag. Da habe ich aber offiziell noch nicht in der Firma gearbeitet. Da war ich nur mal für einen Tag da und habe dabei geholfen, die Gäste zu bedienen. Richtig angefangen habe ich dann am 1. Dezember.“ Erich Beuermann, der 1938 in Hemeln geboren wurde und seit seinem 18. Lebensjahr erst als LKW- und später als Gabelstapler-Fahrer tätig war, trat bei August Oppermann in die Fußstapfen seines Cousins, Herrn Karl Ludewig, der dort damals als Fahrer beschäftigt war und Ende der 1970er Jahre in den Ruhestand ging.

„Zuerst habe ich 50 bis 60% meiner Arbeitszeit als Fahrer für die Firma gearbeitet und vor allem Kunden sowie Geschäftsfreunde von A nach B gebracht. Die übrige Zeit habe ich mich um die Pflege der Außenanlagen gekümmert, habe Rasen gemäht, die Bäume beschnitten und auch mal bei Festlichkeiten als Bedienung ausgeholfen. Später habe ich dann auch ab und zu mal den Chef gefahren, wenn der Kollege Frank Eckhardt krank war oder Urlaub hatte“, erinnert sich der 73-Jährige zurück, während wir gemeinsam auf die Weser blicken, die direkt an seinem Garten entlang läuft.

Auf die Frage, ob es eine große Umstellung für ihn war, statt LKW-Frachten plötzlich Personen zu befördern, antwortet Beuermann, dass sein neuer Zuständigkeitsbereich sich gar nicht so drastisch von seiner früheren Aufgabe unterschieden hat: „Ganz ängstlich war ich früher auch nicht. Da hat man sich schon irgendwie dann durchgewurschtelt. Beim LKW-Fahren vorher war ich ja sowieso mehr oder weniger auf mich selbst gestellt und da wusste man schon ungefähr so ein bisschen über die eigenständige Arbeit. Das war nicht so schlimm. Aber man musste sich schon an dies oder jenes erst gewöhnen. Zu besonderen Anlässen, wenn der Chef und die Chefin zum Beispiel zu irgendwelchen Feiern oder Jubiläen eingeladen waren, fuhren die manchmal mit dem Mercedes, dem 600er Pullmann. Der hat auf jeder Seite drei Türen – ein riesiges Schlachtschiff, in das mit dem Fahrer insgesamt 9 Personen reinpassten. Der Ludewig durfte den damals fahren und der Klass. Und eines Tages kam es dann soweit, da waren die beiden nicht da und dann hieß es: ‚Erich, fahr mal den Pullmann holen.‘ Ja, da hatte ich aber noch nie drin gesessen. Da musste ich dann aber erstmal buchstabieren, bis ich das erste Mal das Fahrzeug überhaupt in Gang kriegte, weil das ja alles irgendwie ein bisschen kompliziert war. Später bin ich ja dann öfter damit gefahren. Die Ausflüge mit Bernhard Oppermann waren manchmal auch Übernachtungstouren. Das ging oft bis in die Nacht oder noch länger. Ja, da muss man sich mit abfinden. Entweder, man macht das oder man macht es nicht. Und ich hab’s gemacht.“

Die Sache mit der Blutbuche
Wenn Erich Beuermann nicht gerade auf den Straßen dieser Welt unterwegs war, kümmerte er sich, wie er bereits geschildert hat, um die Außenanlagen der Firma, wobei er schmunzelnd feststellen muss, dass es nicht immer ganz leicht war, es in dieser Hinsicht sowohl dem Senior- als auch dem Juniorchef recht zu machen: „Bernhard Oppermann wollte immer von seinem Schlafzimmerfenster aus die Kirchturmuhr sehen können. Da stand aber genau eine große Blutbuche davor. Und dann musste ich jedes Jahr im Frühjahr die Leiter anstellen und Äste rausschneiden, damit er da durchgucken konnte. Und Wilhelm Oppermann hat sich jedes Mal darüber aufgeregt: ‚Du richtest ja den Baum zugrunde‘ Ich sagte dann: ‚Wilhelm, ich kann nichts daran ändern! Dein Vater hat gesagt, ich soll das abschneiden, dann schneide ich das auch ab!‘ Dann haben sich die beiden darüber gestritten, was mit dem Baum passieren soll und dann kam Wilhelm wieder raus und sagte: ‚Du, Erich, in Zukunft schneidest Du nichts mehr aus dem Baum!‘ Beim nächsten Mal meinte ich dann zu Bernhard Oppermann: ‚Ich schneide jetzt nichts mehr aus dem Baum. Ich bekomme Ärger mit dem Junior!‘ ‚Du‘, sagte Bernhard, ‚der Junior ist nächste Woche nicht in der Firma, dann können wir die Äste aus dem Baum schneiden!‘“, erzählt Beuermann sichtlich amüsiert: „Dieser Zirkus ging jedes Jahr wieder von Neuem los!“

Erich Beuermann und die Blutbuche Und immer noch kein Ruhestand
Wie so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma August Oppermann war auch Erich Beuermann nach seinem offiziellen Ruhestand weiterhin aushilfsweise für das Kiesgewinnungsunternehmen tätig: „Mit 63 Jahren und 1 Monat bin ich in Ruhestand gegangen und dann habe ich noch bis zu meinem 70. Lebensjahr als Aushilfe gearbeitet, also wenn Jemand gefahren werden sollte, Feste in Planung waren oder Bedienungspersonal gebraucht wurde. Ja und dann habe ich den Chef immer noch gefahren. Zum Schluss alle 14 Tage Samstag und Sonntag, weil mein Kollege Frank Eckhardt, der musste ja auch mal frei haben.“

Auf seinen endgültigen Ausstieg aus der Firma blickt Beuermann zwar mit Wehmut zurück, „aber man muss ja auch ein bisschen an sich selbst denken und an die Familie. Ich wäre sonst mit 75 oder 80 Jahren noch in der Firma herumgestrauchelt und am Ende kann man selbst nicht mehr.“ Wirklich ruhig gestaltet sich sein offizieller Ruhestand aber dennoch nicht, weil im Jahr etwa 150 bis 200 Raummeter Brennholz auf den ehemaligen Fahrer warten: „Das sind richtige Berge Holz, die ich verarbeite und später verkaufe. Damit bin ich den überwiegenden Teil des Jahres beschäftigt. Das Holz ist aber teilweise auch für unseren Eigenbedarf. Ich selbst und mein Sohn, der neben unserem Haus gebaut hat, heizen unter anderem mit einem Kaminofen“, erzählt Beuermann.

Besonders viel Freude bereiten dem 73-Jährigen seine fünf Enkelkinder die zwischen 7 und 17 Jahre alt sind: „Och, das macht schon Spaß. Manchmal muss der Opa auch schon dazwischen gehen und ein bisschen auf den Tisch hauen“, lacht er. Da Erich Beuermann trotz Ruhestand zeitlich stark eingebunden ist, bedauert er manchmal, dass einige Dinge auf der Strecke bleiben müssen, wie zum Beispiel die Besichtigung des noch recht jungen AO-Werkes in Niederhone: „In der Nähe von Eschwege hat die Firma ein neues Werk aus der Erde gestampft, meine Güte! Ein riesiges Ding! Eigentlich müsste ich mich mal sonnabends oder sonntags ins Auto setzen und da mal hochfahren. Ja, das ist schon interessant, wie die Firma sich so im Laufe der Jahre entwickelt hat.“

Durch seine langjährige Tätigkeit in der Firma und den intensiven Kontakt zu Bernhard und Marie-Anne Oppermann konnte Erich Beuermann ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zur gesamten Familie Oppermann aufbauen, so dass er auch heute – 10 Jahre nach seinem Abschied aus der Firma – der Seniorchefin ab und zu einen Besuch abstattet: „Zum Geburtstag fahre ich sowieso jedes Jahr und dann, so zwei- bis dreimal im Jahr, fahre ich auch so mal nach Hedemünden und besuche die „Chefin“. Wilhelm und seine Frau kümmern sich ja wirklich liebevoll um sie. Und danach gucke ich auch gleich immer noch kurz in der Werkstatt und im Büro vorbei. Ich habe sie ja fast alle gekannt, ob aus der Werkstatt oder aus dem Büro.“

Hemeln, August 2011