Wir liefern Grundlagen

Helmut Humpf

Ehemaliger Grubenleiter Fritzlar

Helmut HumpfGute Zukunftsaussichten
„In Fritzlar-Eiertanz wurden damals Leute gebraucht, die aus der Branche waren. Ich war schon vorbelastet durch den Bergbau, von der Technik her war mir das alles nicht so unbekannt. Also ich konnte da viel einbringen und da wurde ich natürlich dann auch hier eingestellt“, antwortet Helmut Humpf auf die Frage, wie er vor 45 Jahren zu August Oppermann gekommen ist.

Der gelernte Bergknappe (heutige Bezeichnung Bergmechaniker), der nach seiner Lehre im Steinkohlebergbau für fünf Jahre bei einem kleineren Kiesgewinnungsunternehmen in der Nähe von Ermschwerd gearbeitet hat, stellte sich 1966 bei AO genau zum richtigen Zeitpunkt vor: „Meine Arbeit in dem alten Unternehmen hatte ansich keine großen Zukunftsaussichten und das hat mich letztendlich auch dazu beflügelt zu wechseln. Damals setzte sich die Firma Oppermann hier in der Gegend erst fest. Das heißt hier bei Fritzlar haben die ein größeres Kiesvorkommen anfangs angepachtet und später dann von ortsansässigen Bauern gekauft“, erinnert er sich.

Die Zukunftsaussichten bei seinem neuen Arbeitgeber sollten gleich von Beginn an weitaus vielversprechender sein: Schon damals hatte sich die Firma den Auftrag gesichert, den zukünftig geplanten Autobahnbau Kassel-Dortmund mit Frostschutzkieslieferungen zu versorgen. Für diesen Auftrag wurde eigens ein Verladebahnhof gebaut, da die Materialmenge auf dem herkömmlichen Wege nicht hätte bewältigt werden können: „Wenn wir das per LKW geliefert hätten, wären täglich 50 LKW auf der Strecke gewesen und zu der Zeit bestand ja die Autobahn nach Kassel noch nicht. Das hätte den ganzen Verkehr auf ein Geschwindigkeitsniveau herabgewürgt, das nicht tragbar gewesen wäre.“

In der Zeit, in der die Firma für den Autobahnbau geliefert hat, lief die Produktion im Werk Fritzlar-Eiertanz auf Hochtouren: „Ich kann mich an einen Tag entsinnen, da haben wir mal 14.000 Tonnen Material verkauft. Das ist wohl ein Tagesabsatz, der nie wieder in der Firma erreicht worden ist und wahrscheinlich auch nicht wird. Das ist eine einsame Spitzenleistung. Von morgens 4 bis abends um 21:20 Uhr, da kam der letzte Zug rein. Der wurde noch beladen bis 22 Uhr.“

Mehr Verantwortung
Helmut Humpf startete 1966 zunächst als Baggerführer und Schlosser in der Produktion, wurde aber schon 1968, im Alter von 26 Jahren, zum Grubenleiter im Werk Fritzlar-Eiertanz befördert. In seiner erst kurzen Zeit im Betrieb hatte sich der heute 70-Jährige derart bewährt, dass der damalige technische Leiter Herbert Hohlbein und der Firmenchef Bernhard Oppermann sofort an ihn gedacht haben als die Stelle vakant wurde: „Ich musste plötzlich die Arbeit organisieren, das tägliche Geschäft am Laufen halten, Material bestellen und und und, also ich könnte da ins 1000ste gehen. Da ist praktisch jede Minute eine neue Herausforderung entstanden. Das war nicht nur ein 24-Stunden-Job. Ich weiß nicht, ob man das noch steigern kann, das war noch mehr. Man musste das ganze Jahr da sein. Es passierte nichts, ohne, dass ich involviert war.“

Vor allem der riesige technische Apparat des Werkes Eiertanz und später auch in Kalbsburg, für dessen Inbetriebnahme Humpf maßgeblich mit verantwortlich war, hatten es in sich: „Also die Technik, die in Fritzlar vorhanden war, auch die ganze Aufbereitungstechnik, das war natürlich für die Firma Oppermann das Non plus Ultra. Also in anderen, kleineren Werken da ging es schon entsprechend primitiver zu.“

Der technische Aufwand war deshalb so umfangreich, weil das aus der niederhessischen Senke stammende Material sehr anspruchsvoll ist. Anders als zum Beispiel in Northeim, wo das Material direkt aus dem Wasser gewonnen wird: „In Fritzlar geht der Kies erst durch Waschtrommeln, Tonbeimengungen müssen durch mechanische Reibung beseitigt werden“, erklärt Humpf und kommt in dem Zusammenhang auf den ersten betriebsinternen Schlammteich zu sprechen, der 1976 für die Säuberung des Materials im Werk Eiertanz entstanden ist. Vorher wurde das Schlämmwasser über eine zwei Kilometer lange Leitung in die ausgekiesten Teiche des Werkes Ungedanken gepumpt: „Dadurch, dass wir dann unseren eigenen Schlammteich hatten, fiel das Pumpen des Schlämmwassers weg. Ein wesentlicher Vorteil war auch, dass wir dadurch vor allem im Winter Arbeiten einsparen konnten, weil es keine Leitung gab, die einfrieren konnte oder die permanent auf Verschleiß kontrolliert werden musste.“

Ein erfülltes Leben
Nach 38 Jahren und 10 Monaten endete Helmut Humpfs Beschäftigungsverhältnis bei der August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH, aber „hin und wieder guck ich mal im Betrieb“, sagt er, um dort den ein oder anderen Rat zu geben: „Sagen wir mal so: Ich weise auch schonmal drauf hin, das und das steht jetzt an, das müsst ihr unbedingt machen. Ob es angenommen wird, weiß ich nicht. Die wissen ja, wer ich bin und wer ich war. Also da wird mich keiner vor den Kopf stoßen wollen. Aber ich lege auch schonmal den Finger in die Wunde. Ich kann ja nur den Rat geben, mehr kann ich und will ich auch gar nicht.“

Wenn Helmut Humpf nicht gerade interessehalber in den Werken vorbeischaut, erledigt er gemeinsam mit seiner Frau Arbeiten in seinem Haus oder in seinem Garten, in dem er selbst Kartoffeln und Gemüse anbaut: „Aber nur so als Hobby, also nicht verbissen. Kräuter, Salate usw., ich bin da so erzogen worden von meinen Eltern, meiner Mutter hauptsächlich. Der musste ich viel zur Hand gehen im Garten und das hat mich geprägt.“ Dabei nutzt Humpf die Gelegenheit, sich hin und wieder ausgiebiger mit seinen Nachbarn zu unterhalten, zu denen er ein gutes Verhältnis hat.

Von den guten Beziehungen, die er zu anderen Einwohnern Fritzlars pflegt, konnte in der Vergangenheit auch August Oppermann profitieren: „Das war auch ein Vorteil, den ich hatte, weil ich als geborener Fritzlarer die Leute und die Bauern kenne und die haben wiederum gewusst, wer ich war. Da haben Sie ein ganz anderes Verhältnis, werden Sie ganz anders angesprochen als wenn Sie jetzt ein Fremder sind. Wir hatten wirklich ein Vertrauensverhältnis zu denen und umgekehrt. Ich habe nicht wenige Reparaturen ausgeführt für die Bauern, wenn was kaputt ging auf’m Acker. Dann kamen sie zu mir: ‚Haste mal ne Schraube? ‘ Und im Gegenzug sind Sie schon mal froh, wenn Sie irgendwo mal über ein Stoppelfeld fahren können mit 10 bis 15 Meter langen Rohren“, lacht er und blickt abschließend zufrieden auf sein Arbeitsleben zurück: „Jeder Mensch hat seine Zeit und meine war bei der Firma Oppermann. Wenn sie sich an mich erinnern als adäquaten Mitarbeiter und wenn ich vielleicht auch mal als Vorbild diene für andere, dann hab‘ ich meinen Zweck mehr als erfüllt, oder?“

Fritzlar, Juli 2011