Wir liefern Grundlagen

Dieter Koch

Ehemaliger Leiter der Fakturierung

Dieter Koch Über Umwege nach Hedemünden
Beim Besuch des heutigen Interviewpartners Dieter Koch, sticht zuallererst der riesige Findling ins Auge, der vor seinem Haus in Fritzlar den Garten ziert. Der riesige Stein, der ursprünglich aus Skandinavien stammt, wurde durch die Eiszeit bis nach Sachsen-Anhalt transportiert und landete schließlich im Garten der Familie Koch: „Das war mein Abschiedsgeschenk von der Firma August Oppermann – Ein ganz großes Highlight für mich!“ Und seine Frau Margot fügt hinzu: „Damals hat mich die Firma gefragt, ob ich nicht ein paar Ideen für ein Abschiedsgeschenk hätte und da habe ich gesagt: ‚Also, mein Mann ist so mit der Firma verbunden, er würde sich bestimmt über einen schönen Stein freuen.' Und der wurde dann auch tatsächlich besorgt und hierher geliefert.“

Dieter Koch kam 1993 über Umwege zur August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH. Angefangen hat im Prinzip alles mit seiner Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Firma Riehm in Edermünde 1962: „Das war damals eine mitteldeutsche Dachpappenfabrik und Teer-Großdestillation im Edermünder Ortsteil Grifte. Dort habe ich insgesamt 31 Jahre lang im Büro gearbeitet. 1978 hat Bernhard Oppermann dann die Firma und somit auch mich übernommen. Am 2. Januar 1978 stand er vor mir: ‚Ich bin der neue Chef‘. Ich kannte die Firma Oppermann damals nur vom Hörensagen, weil sie unser Kunde war und bei uns Bautenschutzanstriche gekauft hat. Die Firma Riehm hat nämlich auch Unterbodenschutz und ähnliches hergestellt, also auch Rostschutzmittel allgemein, nicht nur für Autos, sondern auch für Häuser oder Maschinen und AO hat das dann für die Radlader verwendet“, erklärt Koch.

Übernommen hat Bernhard Oppermann mit dem Kauf der Firma Riehm nicht nur Teile der Belegschaft, wie Dieter Koch, sondern auch sämtliche Altlasten, die der Dachpappenfabrik anhafteten: Während der Teer- und Dachpappenherstellung kam es vor allem zwischen den 1920er und 1940er Jahren – auch durch alliierte Bombentreffer des Teerbunkers – zu erheblichen Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers – ein Schaden, der noch bis vor wenigen Jahren durch Bodenaustausch und eine Grundwassersanierung behoben werden musste. Das hat Millionen gekostet. 1993 entschloss Oppermann sich daher dazu, die Firma Riehm zu schließen.

Computer schreibt man mit „C“
Das berufliche Ende für Dieter Koch? „Nein! Der kaufmännische Geschäftsführer von AO, Walter Schopf hat mir damals vorgeschlagen, mit nach Hedemünden zu kommen. Und dann habe ich erstmal mit meiner Frau darüber gesprochen, weil das ja doch eine ganz schöne Strecke von Fritzlar bis Hedemünden ist. Wir wollten nämlich nicht aus Fritzlar weggehen. Wir haben unser Haus hier gebaut und außerdem lieben wir Fritzlar und wollten nicht in die Nähe von Hedemünden ziehen. Schließlich habe ich bei August Oppermann in der Buchhaltung weitergemacht und bin jeden Tag gefahren. Mein Glück war damals, dass eine Kollegin schwanger war und ihr Platz frei wurde. Zu der Zeit waren wohl mehrere Frauen in der Firma schwanger, so dass Herr Schopf zu mir sagte: ‚Sie werden doch wohl hoffentlich nicht auch noch schwanger werden, Herr Koch'“, lacht er.

Von 1993 bis 1999 war Dieter Koch in der Buchhaltung tätig, doch als 1999 die Euroumstellung ins Gespräch kam, die Fakturierung auf ein neues Programm umsteigen musste und der damalige Leiter der Fakturierung das Unternehmen verlassen hat, wartete auf den ehemaligen Riehm-Mitarbeiter eine neue Herausforderung: Bis zu seinem Ruhestand im Dezember 2009 hat er den Posten des Fakturierungsleiters übernommen: „Ich habe in der Zeit drei Programme lernen müssen. Erst einmal 1999 das alte Fakturierprogramm zu DM-Zeiten noch, dann danach das Euro-Programm und 2006/2007 erfolgte noch einmal die Umstellung auf ein ganz neues Programm, mit dem die Firma auch heute noch arbeitet.“

Glücklicherweise war Dieter Koch zu diesem Zeitpunkt schon mit dem PC vertraut. Als er 1993 zu August Oppermann kam, hat der heute 67-Jährige, dem zu Riehm-Zeiten nur eine Schreibmaschine zur Verfügung stand, von einer Kollegin den Umgang mit dem Computer gelernt: „Ich habe damals zu der Dame gesagt: ‚Ich weiß, dass man Computer mit C schreibt, mehr nicht‘“, lacht Koch. Doch der Fritzlarer eignete sich den Umgang mit dem PC sehr schnell an, so dass man ihm später auch zutraute, den Krankheitsausfall einer weiteren Mitarbeiterin zu kompensieren.

„Meine Kollegin war aber eigentlich auch ganztags beschäftigt, das war dann ein bisschen zu viel des Guten. Ich hatte dann nachts zu Hause auch nicht die rechte Ruhe, weil man sich Sorgen macht, ob man das alles schaffen kann. Die Kunden möchten schließlich ihre Rechnungen haben und zwar möglichst zeitnah. Ich habe damals über zwei Jahre lang nahezu keinen Urlaub gemacht. Da bin ich dann sehr früh aufgestanden und habe mich aus dem Haus geschlichen, um zur Arbeit zu fahren.“ – ein Umstand, der seine Frau Margot zum Handeln veranlasste: „Ich habe dann zu Herrn Schopf gesagt: ‚So geht das nicht. Mein Mann macht sich ja kaputt.‘ Aber Herr Schopf wusste gar nicht, dass Dieter zum Teil schon nachts losgefahren ist, war sehr entgegenkommend und hat Abhilfe geschaffen“, schildert sie. Frau Koch selbst war es schließlich, die auf Anregung von Herrn Schopf ihren Mann entlastet hat und für etwa ein Jahr ebenfalls bei der Firma August Oppermann Beschäftigung fand: „Ich habe für meinen Mann die Lieferscheine geprüft und nachgesehen, ob alles stimmte.“

Definitiv die schönste Zeit
Durch die Einstellung einer weiteren Kollegin war es Dieter Koch schließlich auch wieder möglich, seinen Hobbies nachzugehen, wie etwa dem morgendlichen Schwimmen: „Oft bin ich um 5.45 Uhr losgefahren, bin hier in Fritzlar ins Schwimmbad gegangen und gegen 6.45 Uhr bin ich weiter nach Hedemünden gefahren – und zwar jeden Morgen von Mai bis Mitte September. Das habe ich jetzt in meiner Rente auch noch beibehalten. Allerdings fahre ich jetzt erst 10 Minuten nach 6 Uhr los. Jetzt brauche ich ja nicht mehr auf die Uhr zu schauen. Andere sagen, das machen nur Verrückte und gehen am frühen Morgen schwimmen. Aber es sind auch tatsächlich immer dieselben. Und wenn dann mal ein Fremder kommt, dann wird der schon beäugt: ‚Was will der denn hier um diese Zeit?‘ Oder wenn ich mal fehle, heißt es gleich: ‚Herr Koch, wo waren Sie denn gestern?‘ Früher, als ich noch gearbeitet habe, haben die anderen Schwimmer immer schon gesagt: ‚Herr Koch, Sie müssen jetzt aber los!‘ Da habe ich immer entgegnet: ‚Ich brauche ja gar nicht mehr auf die Uhr zu schauen, das macht ihr ja für mich!‘ Inzwischen haben sie sich aber daran gewöhnt, dass ich mehr Zeit habe“, erzählt er sichtlich amüsiert.

Seit Dieter Koch mehr Zeit zur Verfügung steht, revanchiert er sich bei seiner Frau und entlastet sie im Haushalt: „Ich schreibe dann am Wochenende den Einkaufszettel für die ganze Woche und verteile das dann auf mehrere Tage, damit ich Ziele habe. Und auf dem Weg zum Supermarkt mache ich dann riesige Umwege. Dann laufe ich zum Beispiel erst bis an die Eder runter und gehe dann die 136 Stufen hoch bis in die Innenstadt. Das ist so ein bisschen wie Fitness-Training. Auch das mit dem Essen haben wir uns aufgeteilt: Meine Frau macht das Mittagessen und ich kümmere mich um Frühstück und Abendbrot. Margot kriegt dann alles mundgerecht an den Tisch geliefert.“

Eine große Umstellung, plötzlich wieder mehr Zeit miteinander zu verbringen, war Dieter Kochs Ruhestand für das Ehepaar allerdings nicht: „Als wir noch während meiner Arbeitszeit das neue Fakturierprogramm bekommen haben, war natürlich durch diese Verbesserung auch der Einsatz von Menschen weniger gefragt. Ich habe dann 2007 begonnen, montags und dienstags meinen Urlaub nach und nach abzubauen. Also fing meine Woche quasi immer erst am Mittwoch an“, erzählt Koch, während seine Frau bemerkt: „Es ist aber auch wichtig, dass jeder sein Eigenleben behalten kann und man nicht nur zusammenhängt. Jeder muss seinen Bereich haben.“

Und ein wesentlicher Bereich in Dieter Kochs Arbeitsleben war die Firma August Oppermann: „Also ich muss ganz ehrlich sagen, die schönste Zeit meines Berufslebens habe ich in Hedemünden verbracht. Auch, wenn es weiter weg war. Ich bin von den Mitarbeitern dort gut aufgenommen worden und vor allen Dingen hat mir die Arbeit dort auch mehr Spaß gemacht. Die Form der Arbeit hat mir sehr gut gefallen. Zum Beispiel, dass alles so breit gefächert war und man über weite Teile Deutschlands Verbindungen hatte durch die vielen Lieferscheine. Ich habe mir immer überlegt, dass jeder Lieferschein eine Geschichte für sich hat. Da steckt ein Fahrer hinter, der mit dem Wäger spricht und so weiter! Was da auf dem Weg alles passieren kann! Mich hat das immer fasziniert. Also die Zeit in der Fakturierung war für mich definitiv die allerschönste“, resümiert er.

Fritzlar, September 2011