Wir liefern Grundlagen

Adolf Kreuz

Ehemaliger Schlosser und Werkstattleiter

Adolf Kreuz Ein unvergesslicher, erster Arbeitstag
Der Weg zu unserem nächsten Interviewpartner führt uns entlang der Hedemündener Hauptstraße, vorbei an einem liebevoll restaurierten alten Fachwerkhaus, dem Pfarrhaus von Hedemünden. Eine außergewöhnliche Sandsteintreppe mit einem prunkvollen Treppengeländer zieht hier die Blicke auf sich: „Das war meine Arbeit“, berichtet Adolf Kreuz voller Stolz. „Viele Dinge hier im Haus habe ich auch selbst gemacht“, erzählt der gelernte Schlosser, der vor 72 Jahren als eines von zwölf Kindern in Meensen geboren wurde.

„Als ich damals aus der Schule kam, gab es keine Lehrstellen. Deshalb musste ich erstmal für ein Jahr als Knecht bei einem Bauern arbeiten, bevor ich meine Lehrstelle als Schlosser bei der Firma Hampe in Hann. Münden antreten konnte.“ Nach Abschluss seiner Ausbildung und einem halben Jahr Festanstellung wechselte Kreuz 1958 gemeinsam mit zwei Hampe-Kollegen zu August Oppermann: „Da gab’s damals einfach mehr Geld“, erinnert er sich.

Seinen ersten Arbeitstag bei der Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH hat er noch ganz genau vor Augen: „Als ich den Morgen mit dem Fahrrad hier runter gekommen bin, da war der Helmut Bartels noch Werkstattmeister. Das erste, was er zu mir gesagt hat war: ‚Kreuz, biste bei der Firma Hampe auch immer zu spät gekommen?‘ – das waren seine ersten Worte. Das vergesse ich mein ganzes Leben nicht. Da wusste ich gleich, wo’s lang ging“, lacht Kreuz heute.

Damals war er für AO zunächst zwei Jahre auf Montage, bevor er dann hauptsächlich in der Werkstatt in Hedemünden eingesetzt wurde. Dort war er in Zusammenarbeit mit Günter Stadler überwiegend für den Bau der Förderbänder und Kiesgewinnungsanlagen zuständig: „Wir haben einige der älteren Anlagen modernisiert und neue, größere Anlagen gebaut.“ Von Stadler, der selbst gelernter Schlosser war und viele der AO-Anlagen konzipiert hat, konnte Kreuz viel lernen: „Ich habe selten einen so guten Fachmann erlebt“, erzählt er begeistert.

Keine Angst vor Arbeit
Von Anfang an „ging’s bei AO zur Sache“, wie Kreuz sagt. „Als ich damals bei der Firma anfing, da wurde die Werkstatt gerade erst richtig aufgebaut. Später, besonders in der Zeit, in der für den Tunnelbau der Bundesbahn geliefert wurde, mussten wir manchmal bis zu 10.000 Tonnen Kies am Tag bereitstellen und bis spät in die Nacht arbeiten“ – für Adolf Kreuz aber kein Problem, denn: „Ich habe noch nie Angst gehabt vor‘m Arbeiten. Und ich wollte arbeiten. Ich musste ja auch was tun. Wir haben damals viele Stunden geschoben, aber auch gutes Geld verdient. Damals waren in der Werkstatt bis zu 70 Leute, also da war schon echt was los.“

Dass er ein sehr engagierter Mitarbeiter war, merkte der damalige Seniorchef Bernhard Oppermann schon kurz nach Kreuz‘ Berufsstart und bat ihn bald darauf, von Meensen nach Hedemünden zu ziehen, was Kreuz 1964 in die Tat umsetzte: „Er wollte unbedingt, dass ich hier bleibe“, erinnert er sich. Zunächst kam er gemeinsam mit seiner Frau in einer Wohnung des Chefs unter, bevor er 1971 ein eigenes Grundstück erwerben konnte. Sein unermüdliches Engagement für die Firma führte schließlich dazu, dass Kreuz 1997 zum Werkstattleiter befördert wurde: „Naja, wenn man immer da ist und man macht seine Arbeit, kommt man da hin – und wenn man ehrlich ist! Da hat der Senior sehr viel Wert drauf gelegt.“

Vollstes Verständnis
Und wie hat sich sein arbeitsintensiver Lebensstil auf sein Privatleben ausgewirkt? „Ich habe ja eine herzensgute Frau gehabt und habe sie auch heute noch“, lächelt Kreuz und spielt damit auf das große Verständnis an, das ihm aus seiner Familie entgegengebracht wurde. „Außerdem war sie mit unseren beiden Kindern beschäftigt und als wir 1988 unser Haus, das früher mal ein Bauernhof war, umgebaut haben, gab es auch hier viel zu tun.“

Bis zum 31. Dezember 2001 war Adolf Kreuz offiziell für die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH tätig. An seinen letzten Arbeitstag kann er sich aber nicht mehr erinnern: „Och, ich habe das gar nicht so gemerkt, weil das ja langsam ineinander übergegangen ist“, so Kreuz, der nach seiner Rente auch weiterhin für die Firma tätig blieb. Nachdem er anfangs am Bau einer neuen Werkstatthalle beteiligt war, erledigte er hin und wieder Fahrdienste für Bernhard Oppermann und entlastete damit den eigentlichen Fahrer des Seniorchefs, Frank Eckhardt: „Der Chef war einer, der musste immer unterwegs sein.“ Bis heute bewundert Adolf Kreuz Bernhard Oppermann, der im Juni 2010 verstorben ist: „Das war ein ganz fähiger Mann. Mein lieber Mann, der hatte Mut.“

Wenn er heute auf sein berufliches Leben zurückblickt, ärgert er sich manchmal ein wenig darüber, dass er sich nicht mit einem Schlossereibetrieb selbständig gemacht hat: „Ich will jetzt nicht prahlen, aber fachlich hätte das bestimmt zu mehr gereicht. Wäre ich länger zur Schule gegangen, hätte ich da bestimmt mehr draus machen können. Aber ich habe es ja so auch gut getroffen“, so der 72-Jährige. „Ich habe durch die Firma viel erreicht. Ich bin froh, dass ich bei AO war. Wirklich wahr.“

Hedemünden, Juni 2011