Wir liefern Grundlagen

Karl Lütgerodt

Ehemaliger Baggerfahrer und Grubenleiter

Karl Lütgerodt Mädchen für Alles
„Ich war am Anfang bei Oppermann ein Hans Dampf in allen Gassen. Mal hier, mal da, mal etwas sauber machen. So fing das an. Ich habe alles gemacht. Ich war erstmal in der Werkstatt und habe Aufräumarbeiten erledigt, oder habe mal ausgeholfen, wenn nur ein Monteur da war.“

Im Januar 1970 wurde Karl Lütgerodt bei der August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH vorstellig. Davor war der gebürtige Hedemündener, der ursprünglich Melker gelernt hat, bereits für 10 Jahre im Baugewerbe tätig: „Aber dann kam die Krise, der Betrieb bekam keine Aufträge mehr und ich dachte: ‚Was machst Du denn jetzt?‘ Dann kam der Winter noch dazu, ich hatte keine Arbeit und da bin ich zu Oppermann gegangen. Damals als ich da anfing, da hat der heutige Chef Wilhelm Oppermann auf dem Hof immer mit den alten Autos seines Vaters oder Großvaters Fahren geübt“, erzählt er amüsiert.

Lütgerodt arbeitete zunächst für den damaligen Werkstattleiter Hermann Göbel: „Damals musste ich Einkäufe erledigen. Ich bekam einen Lieferwagen, so eine alte „Oma“, und mit der bin ich dann nach Kassel und überall hingefahren. Später hieß es dann: ‚Du musst mal nach Fritzlar fahren, fünf Siebe aufladen, so und so viele Winkel, so und so viele Flacheisen und die und die Gummiteile. Und nach zwei Jahren kam ich dann auf die Menck-Raupe für die Bundesgartenschau!“ Ganze vier Jahre dauerten die Vorarbeiten zur Bundesgartenschau, die 1976/1977 in Kassel/Waldau stattfand. August Oppermann war damals vor allem für die vorbereitenden Erdarbeiten zuständig: „Da wurden damals 350.000 Kubikmeter Material verarbeitet!“, erzählt Lütgerodt begeistert.

Riskanter Reparatureinsatz
Anfang der 1980er Jahre wurde Karl Lütgerodt Grubenleiter im Werk Geismar/Ahnatal, wo er zu Beginn zunächst durch einen Kollegen unterstützt wurde, später, ab 1982, dann aber auf sich selbst gestellt war: „'Kalle, das kannst Du alleine schaffen. Und wenn nicht, machst Du abends eben länger.' Ja, so ging das. Ich bin aber gut zurechtgekommen.

Am Anfang war Ahnatal nur ein einfaches Kalksteinwerk, ein Bedarfswerk, in dem Material mit Baggern gewonnen wurde. In den 1990er Jahren kam dann die Bauschuttdeponie dazu“, berichtet er. Seit der Einführung des flächendeckenden Bauschuttrecyclings im Landkreis Kassel im Frühjahr 1995, wurde in Ahnatal der von Privathaushalten abgegebene Bauschutt in Mühlen gebrochen, gesiebt und anschließend – beispielsweise im Straßenunterbau – wiederverwertet.

Vorher diente das Werk als Bauschuttzwischenlager, in dem der Bauschutt zusammen mit Erdaushub zur Restverfüllung genutzt wurde: „Ich habe den Bauschutt angenommen und aufgearbeitet, das heißt, an der Anlage war ein Magnetband, das erst einmal alle Metalle aussortiert hat. Das übrige Material ging dann durch den Brecher und wurde hinterher wieder verkauft“, erzählt Karl Lütgerodt und staunt heute noch über die Maschinen, die ihm damals zur Verfügung standen: „Ich hatte einen Lader, der war Baujahr 1973 und dann kam noch ein Caterpillar dazu. Das waren alles schwere Maschinen. Ich hatte erst einen, der war noch kleiner. Anfang der 70er Jahre hat Menck aber schon so Dinger gebaut, bei denen alles mit Luft gesteuert wurde. Und so wurden die Maschinen nach und nach immer größer.“

Leider war ein Lader, an dem Lütgerodt während seiner Tätigkeit in Ahnatal eine Reparatur vornehmen wollte, nicht geräumig genug. Als aus der Maschine immer wieder Öl lief und er zwischen Motor und Kotflügel nach der Ursache suchen wollte, ahnte er noch nicht, wie gefährlich sein Einsatz werden würde: „Ich steckte dann zwischen Motor und Kotflügel und bin mit meinen Klamotten irgendwo hängen geblieben. Ich kam nicht wieder raus – und ich war alleine. Junge, da bricht eine Panik in Dir aus! Es war zwar schon Feierabend, aber die Maschine war noch heiß. Ich denke: ‚Was machste denn jetzt? Du musst Dich wieder fangen, sofort! Aber wie? Dann hab ich alles ausgezogen und bin da nackt aus dem Ding wieder rausgekommen. Und ich hab ausgesehen! Was hab ich gemacht? Ich habe mit dem Lader Wasser in die Schaufel genommen und erstmal ein Bad genommen. Ich wollte mich nicht dreckig wie ich war ins Auto setzen. Wenn ich mich nicht wieder gefangen hätte, hätte ich mich hinrichten können!“

Vielseitig in den Ruhestand
Aus gesundheitlichen Gründen trat Karl Lütgerodt seinen Ruhestand bereits 1997, im Alter von 57 Jahren, an – damals hatte er noch ganze 67 Tage Urlaub. Seitdem widmet er sich vor allem der Gartenarbeit: "Ich habe mir selbst einen Grill und Bänke gebaut. Das mache ich alles selbst. Jetzt habe ich gerade ein Vogelhaus fertig. Und auch das elektrische Zeug, das hier anfällt, das mache ich alles selbst. Der Göbel hat damals immer zu mir gesagt: ‚Wenn einer etwas macht, musst Du immer zugucken und mit den Augen stehlen.‘ So hat der früher gearbeitet und die anderen haben das so gemacht und genauso mache ich das heute auch." So hat er sich auch seine Geschicklichkeit im Umgang mit Heizungs- und Sanitäranlagen angeeignet. Bei der Schwester seiner Frau, die in Köln ein Sanitärgeschäft hat, hat Lütgerodt viel „mit den Augen stehlen können“, wie er sagt. Seine Vielseitigkeit kommt nicht nur in seinem eigenen Haushalt zum Einsatz, er hilft auch schonmal seinen Nachbarn, wenn sie in dieser Hinsicht Probleme haben und hält sich auf diese Weise fit. „Wenn ich mal ein paar Tage hier zu Hause sitze, dann habe ich Probleme. Man muss sich bewegen oder laufen. Wer rastet, der rostet – so ist das tatsächlich.“

Und so war das auch schon früher bei August Oppermann: „Wenn Sie was können bei Oppermann, dann werden Sie auch voll eingesetzt. Man musste vielseitig sein und alles können, dann waren Sie Trumpf!“, resümiert Lütgerodt abschließend.

Zeitungsausschnitt 1992
Zeitungsausschnitt 1995

Hedemünden, Juli 2011