Wir liefern Grundlagen

Herbert Möhlheinrich

Ehemaliger Schlosser

Herbert Möhlheinrich Ordnung muss sein!
„Wenn ich meinen Werkzeugkasten aufgemacht habe – da konnte es dunkel sein – wusste ich immer, wo mein Werkzeug liegt. Ich habe selbst gesehen, wie manche Kollegen die ganze Kiste umgekippt und alles auf die Erde geschüttet haben, weil sie ihre Sachen nicht finden konnten. So etwas hätte es bei mir nie gegeben!“

Herbert Möhlheinrich arbeitete bei der August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH 43 Jahre lang als „Blaumannträger“, wie er sagt. Von Beginn an – sein erster Arbeitstag war im April 1967 – wurde der damals 19-Jährige, der heute gemeinsam mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter in Bad Sooden-Allendorf lebt, in der Hedemündener Werkstatt eingesetzt.

Ähnlich wie für Walter Göttlicher war auch für Möhlheinrich, der unmittelbar vor seiner Tätigkeit bei AO eine Lehre zum Autoschlosser gemacht hat, die Arbeit in der Werkstatt zunächst vor allem Neuland: „Da musste ich mich erst irgendwie reinfuchsen in diese ganzen Sachen und das hat eine Weile gedauert. Aber das wird wohl in jedem Betrieb so sein, wenn man neu ist und von der Materie keine große Ahnung hat. Später brauchte mir dann keiner etwas zu erzählen, aber am Anfang war’s schon schwierig“, erinnert er sich.

Zuerst arbeitete Möhlheinrich in der großen Werkstatthalle, wechselte dann aber bald in eine etwas kleinere Halle, in die Abteilung „Kleinserie“ und hat dort unter anderem Antriebe für Förderbänder, Spanntrommeln, Zahnradkästen und Wasserpumpen repariert: „In der Hochphase waren 60 bis 70 Leute in der Werkstatt, in den Wintermonaten auf jeden Fall. Da sind die alle von den Gruben zu uns gekommen und haben die Waagen gereinigt und entrostet. Da hat es nur so gewimmelt von Leuten.“

Was für ein Tag!
Bei so viel Betrieb, fällt es auch erst einmal nicht auf, wenn die Frühstückspause ausnahmsweise auf der nahegelegenen Kirmes und nicht auf dem Firmengelände abgehalten wird - und so kam es, dass Herbert Möhlheinrich gemeinsam mit ein paar anderen Kollegen einmal an ein und demselben Tag entlassen und wieder eingestellt wurde.

„Walter Göttlicher und ein paar andere waren auch dabei. Von 9 bis halb 10 hatten wir Frühstückspause und auf einmal hat das Lämpchen gebrannt. Noch’n Bier und noch’n Bier und noch’n Bier. Sie wissen ja, wie das ist. Es wurde dann halb 10, es wurde 10, aber da waren wir immer noch im Zelt. Um halb 11 kam dann einer aus der Werkstatt vorbei, den der Werkstattmeister Göbel geschickt hat: ‚Ja, wir kommen gleich‘, haben wir immer gesagt. Dann wurde es 11, halb 12, bis der nächste aus der Werkstatt kam, um uns zu holen. So um 12 haben wir gleich noch Mittag da gemacht und nach 13 Uhr sind wir dann zur Werkstatt. Oh, da hat natürlich das Lämpchen gebrannt! ‚Ihr seid alle entlassen. Ihr braucht gar nicht anzufangen‘, hat Göbel gesagt. ‚Geht wieder auf’s Zelt, ihr braucht morgen nicht zu kommen‘. Gut, wir haben uns dann gewaschen, umgezogen und dann sind wir wieder auf die Kirmes. Abends kam dann Herbert Hohlbein zur Kirmes, das war ja der stellvertretende Chef damals. Da haben wir ihm gesagt, dass wir entlassen sind. ‚Wie entlassen? Nix, nix, nix, nix, nix!‘, hat er gesprochen. ‚Ihr seid sofort wieder eingestellt. Morgen früh seid ihr pünktlich wieder da!‘ Später kam dann Herr Göbel auch noch und wir haben mit ihm weitergefeiert. Dann war alles vergessen.“

Ein risikoreicher Beruf
Während seiner langjährigen Tätigkeit bei August Oppermann ist Herbert Möhlheinrich auch zwei Mal gerade noch so „dem Teufel von der Schippe gesprungen“, wie er sagt. Einmal wäre er 1971 beim Entladen eines Tiefladers fast durch einen 20 Zentner schweren Lukendeckel erdrückt worden: „Seitdem kann ich meinen Arm nicht mehr drehen und mein Bauch war gequetscht, aber ich habe Glück gehabt: Wenn ich damals dicker gewesen wäre, wäre ich geplatzt, hat mir der Arzt gesagt.“

Sein zweites Nahtoderlebnis hatte der gebürtige Oberriedener, als er einem Kollegen dabei helfen wollte, einen Bohrer an einer Lafette zu befestigen: „Auf einmal – zum Glück hatte ich Handschuhe an – schlug mir der Bohrer zwischen den Beinen hoch und dann bin ich nach hinten weg geflogen, auf’s Kreuz und dann lag ich da. Ich habe nur gemerkt, dass mein linkes Knie bombendick war. Da konnte ich nicht mehr auftreten. Das hätte auch anders ausgehen können!“

Als Möhlheinrich uns von seinen Unfällen berichtet, scheint er wenig beeindruckt, wohl auch deshalb, weil einige seiner Arbeitskollegen bei ähnlichen Vorfällen oft erst ihre Arbeit vollendet haben, bevor sie sich um ihre Gesundheit gekümmert haben.

„Ich habe einmal gesehen, wie unser Meister, Herr Göbel, sich auf den Daumen geschlagen hat. Da war aber alles breit! Da hat er einen Lappen genommen, den um seinen Daumen gewickelt, hat ein bisschen das Gesicht verzogen und weiter ging’s! Oder Herr Singler – das war der Stellvertreter vom Göbel – dem habe ich mal versehentlich einen Brecher auf die Füße gestellt, der bestimmt 8 oder 9 Zentner wog. Das war natürlich ein Kämpfer, ein eisenharter! Als der sich die Schuhe ausgezogen hat, da hingen die Fußnägel in den Strümpfen drin. Das habe ich selber gesehen! Und was hat der gemacht? Der hat ein Taschentuch rausgeholt, in zwei Hälften gerissen, um die Füße gebunden, ist schweren Herzens wieder in die Schuhe rein, hat die Zähne zusammengebissen und dann haben wir den Brecher zusammen aufgestellt. Erst dann ist der zum Arzt. Das sind so Sachen, die vergisst man einfach nicht!“, erzählt Möhlheinrich.

Zuhause ist es doch am schönsten!
Seit mehr als einem Jahr ist Herbert Möhlheinrich nun im Ruhestand, wobei er dem Wörtchen „Ruhe“ dabei weniger Bedeutung beimisst: „Hobbies habe ich keine, außer Arbeiten. Ich habe mir die Arbeit zum Hobby gemacht.“ Und davon gibt es genug: Gemeinsam mit seiner Frau unterhält er unter anderem eine Sauerkirschplantage, macht Holz und hilft seinem Sohn beim Umbau seines 200 Jahre alten Fachwerkhauses: „Da können Sie sich vorstellen, wie ein so alter Bau aussieht. Da haben wir die Dächer neu gemacht, die Scheune und die Wohnung zurecht gemacht und so reißt die Arbeit nie ab. Die reißt erst ab, wenn ich 1,80 Meter tief unter der Erde liege“, scherzt er.

Da wundert es nur wenig, dass der heute 63-Jährige keine Zeit findet, um in den Urlaub zu fahren. „Ich fahre aber auch nicht so gern weg. Erstmal bleibt die Arbeit ja dann liegen, die macht mir ja keiner. Und wenn ich irgendwo hinfahre, dann denke ich nach dem zweiten oder dritten Tag schon wieder an Zuhause.“ Dass Herbert Möhlheinrich schnell vom Heimweh geplagt ist, kann man verstehen, denn in einem so schönen und weitläufigen Garten kann er auch getrost daheim die Seele baumeln lassen.

Bad Sooden-Allendorf, August 2011



Gruppenfoto 2001

Gruppenfoto aus dem Jahr 2001
v.l.n.r. obere Reihe: Wilfried Gerstenberg, Werner Langefeld, Karolj Piri, Erich Beuermann, Andreas Henze
v.l.n.r. untere Reihe: Michael Veit, Wolfgang Schmidt, Uwe Range, Fritz Scharringhausen, Klaus-Peter Siegmann, Horst Köhler, Herbert Möhlheinrich, Hartmut Schörner, Adolf Kreuz