Wir liefern Grundlagen

Edmund Mühlhausen

Kraftfahrer, Betriebsleiter Geismar und Chauffeur

Edmund Mühlhausen „Wir schicken Edmund dahin“
„Die haben nur gesagt ‚Hier steht der LKW‘ und dann ging’s los“, erinnert sich Edmund Mühlhausen an seinen ersten Arbeitstag bei der Firma August Oppermann am 2. Juni 1952. In Ziegenhagen geboren, arbeitete der gelernte Sattler als er aus dem Krieg zurückkehrte erst in seinem Beruf, half dann bei verschiedenen Firmen als Maurer und Holzbauer aus und transportierte schließlich für ein Fuhrunternehmen Langholz: „Das war schweres Holz mit bis zu 30 Metern Länge und das habe ich dann verladen. Und als das Geschäft nicht mehr so gut lief, sagte mir ein Bekannter, der in Hedemünden gearbeitet hat, dass die Firma Oppermann noch einen Fahrer für Schwertransporte sucht und so konnte ich sofort anfangen.“

Zunächst musste Edmund Mühlhausen die Fahrzeuge von AO auf Vordermann bringen und zwar alles provisorisch. „Die Firma hatte damals unmittelbar nach dem Krieg noch nicht so viel Werkzeug wie heute. Wenn der Seniorchef irgendwo ein Werkzeug rumliegen sah, dann hat er das oft gleich mitgenommen und in den Keller gebracht. Du bist praktisch zum Frühstück oder zum Mittag gegangen, hast Dein Werkzeug da hingelegt und als Du wiederkamst, war das Werkzeug wieder weg. Da hatte der Chef gleich wieder alles sicher verstaut, damit nichts verloren geht.“

Durch sein handwerkliches Geschick, gelang es Mühlhausen schnell, die Fahrzeuge so aufzurüsten, dass mit ihnen sogar Kiesschiffe transportiert werden konnten „und seitdem hieß es immer: ‚Wir schicken Edmund dahin.‘" Selbst ein doppelter Knöchel-Verrenkungsbruch, den sich Mühlhausen 1954 beim Abladen einer Baracke in Freudenthal zuzog, konnte ihn nicht von der Arbeit abhalten: „Als ich aus dem Krankenhaus kam, bekam ich einen Gehgips. Mit diesem Gips habe ich LKW-Anhänger und dergleichen bis nach München, Stuttgart usw. gefahren. Ich habe das Gipsbein auf’s Gas gestellt und mit dem linken Fuß gearbeitet. Ich bin aber immer wieder rechtzeitig vom Gas runtergekommen.“

Seine größte Herausforderung und gleichzeitiges Steckenpferd war der Transport eines Liebherr-Krans, den Mühlhausen 1977 in Ehingen abgeholt hat und der hauptsächlich für den Hochbau von Kiesgewinnungsanlagen zum Einsatz kam: „Das war ein Fahrzeug! Der Kran wog 70 Tonnen, war über drei Meter breit und vier Meter hoch, hatte sechs Achsen und dergleichen. Ich war eine Zeit lang nur mit dem Kran unterwegs, natürlich meistens in Polizeibegleitung oder mit Firmenbegleitfahrzeug. Und wenn wir jetzt irgendwo von Fritzlar oder so herkamen und über die Autobahnbrücke mussten, dann war extra Polizei vor Ort und hat die Brücke für sämtlichen Verkehrt gesperrt, nur damit ich fahren konnte.“

Vom LKW in den Mercedes
Nachdem Edmund Mühlhausen sein Talent für das Fahren von Schwertransporten unter Beweis gestellt hatte, sollte sein fahrbarer Untergrund bald andere Gestalt annehmen: „Das hat sich dann so weit entwickelt, bis es einen schönen Tages hieß: ‚Edmund, heute Abend musst Du mit uns mal zum Geburtstag nach Bad Gandersheim fahren.‘ Am anderen Morgen kam Bernhard Oppermann zu mir und sagte: ‚Du, den LKW fährt jetzt ein anderer. Wir zwei fahren jetzt immer zusammen. Du fährst mich ab heute im 220er Mercedes.'“

Von 1955 bis 1962 wurde Mühlhausen als Fahrer für Geschäftsfreunde, Kunden und den Chef selbst eingesetzt: „Ich bin in den sechs Jahren etwas über 600.000 Kilometer gefahren. Da kann man sich ungefähr ausrechnen, wie oft ich zu Hause war. Und oft kam ich nach Hause, da stand meine Frau schon am Tor und sagte: ‚Fahr mal gleich wieder los, der Chef hat schon angerufen.‘ Geschlafen habe ich nebenbei. Wenn ich ihn z.B. zu Sitzungen gefahren habe, die dauern ja Stunden. Dann habe ich in der Zeit meist im Auto gelegen und geschlafen“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Wenn ich mit dem Chef gefahren bin, brauchte ich kein Frühstück mitzunehmen. Es wurde alles bezahlt. Und als ich viel mit dem Kran unterwegs war und musste halten, weil ich nur zu bestimmten Zeiten fahren konnte, dann ging ich in ein Restaurant, habe etwas gegessen und habe mir meine Quittungen geben lassen.“

Da Mühlhausen sich neben der Fahrerei auch zunehmend mit den Maschinen und Geräten der Firma vertraut machen konnte, wurde er ab 1963 für wiederum sechs Jahre als Betriebsleiter im Kieswerk im Fritzlarer Stadtteil Geismar eingesetzt: „Das war ein ganz neues Werk, das damals aufgebaut wurde. 18 bis 20 Mann hatte ich unter mir. Das war natürlich schwer, die Leute alle unter einen Hut zu kriegen. Aber zum Schluss war ich mit denen ein Kopp und ein Arsch“, lacht er. Auch zu der Zeit, als Mühlhausen in Geismar war, hat er samstags und sonntags hin und wieder den Chef gefahren, bis ihn sein Nachfolger Reinhold Klaas abgelöst hat.

Im Anschluss an seine Tätigkeit als Betriebsleiter wurde Mühlhausen mit einer Sonderarbeit in Vienenburg beauftragt: „Ich habe Spundbohlen ins Okerbett geschlagen, um Staustufen im Fluss einzurichten. Dieser Auftrag war speziell für mich. Die Firma wusste, dass sie mich losschicken kann, wenn irgendetwas Besonderes ist. Das Unternehmen konnte sich ja auch voll und ganz auf mich verlassen.“

Genug gefahren
Als Edmund Mühlhausen zunehmend Probleme mit seinem Kreuz bekam, ging er 1988 im Alter von 63 Jahren in den Ruhestand: „Ich wollte arbeiten, solange es geht, wenn nichts dazwischen kommt. Meine Ärztin teilte mir dann aber mit, es sei schon etwas dazwischen gekommen.“ Für den frisch gebackenen Rentner war es zunächst gewöhnungsbedürftig, keine Verpflichtungen mehr zu haben. Durch den Umbau seines Hauses in Ziegenhagen war aber anfangs immer genug zu tun: „Man hat immer Arbeit gefunden, die man machen konnte“, erzählt er.

Heute kann sich der 86-Jährige mit schweren Arbeiten wie diesen nicht mehr belasten, da er bereits sechs Beipässe hinter sich hat. Um sich und seine Gesundheit zu schonen, fährt er auch kaum noch Auto, so dass seine Frau die gemeinsamen Einkäufe meist mit den Nachbarn erledigt: „Ich bin ja in der Vergangenheit auch genug gefahren, davon mal abgesehen.“, lacht er.

Ziegenhagen, Juli 2011

Edmund Mühlhausen verstarb am 28.07.2012
Wir werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.