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Helmut Rannenberg

Ehemaliger Betriebsleiter der Firma Körber

Helmut Rannenberg Vom Schlosser zum Betriebsleiter
Entspannt lehnt sich Helmut Rannenberg in seinem Wohnzimmersessel zurück und stellt fest, dass er das trotz Ruhestand eigentlich viel zu selten tut: „Langeweile kommt bei mir nicht auf. Dabei habe ich nicht mal Hobbies. Ich habe genug mit meinem Außendienst zu tun“, lacht der 68-Jährige und meint mit „Außendienst“ die Arbeiten an Haus und Garten in seinem Heimatort Hollenstedt.

Hier, nur wenige Kilometer von der AO-Produktionsstätte Northeim entfernt, lebt der gelernte Schlosser mit seiner Frau Doris und seinen beiden Töchtern Britta und Ina, die beide in Göttingen studieren. „Als ich 1986 geheiratet habe, bin ich auch bei August Oppermann etwas kürzer getreten“, erinnert sich Rannenberg und beginnt von seinem Berufseinstieg in der Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH vor mehr als 50 Jahren zu erzählen.

Über einen ehemaligen Mitarbeiter der Firma, der eine Frau aus Hollenstedt geheiratet und mit dem Rannenberg regelmäßig Fußball gespielt hat, kam er im Alter von 17 Jahren in das Unternehmen. Zunächst arbeitete er im Werk Northeim und war – abgesehen von den Jahren 1963 bis 1964, in denen er seinen Wehrdienst ableistete – dort bis 1970 als Schlosser tätig.

Im Laufe der Jahre bekam der junge Rannenberg einen so guten Überblick über die Firmenstruktur, dass der damalige Seniorchef Bernhard Oppermann ihn als Betriebsleiter in die neu erstandene, ebenfalls in Northeim ansässige Firma Körber versetzt hat: „Über Nacht ging das. Da habe ich manchmal gar nicht geschlafen vor Aufregung, wenn Du so ein junger Bengel bist. Da waren zum Teil Ältere, Alteingesessene in der Firma, die waren 50, 60 Jahre alt, schon ewig da gewesen: ‚Was will der denn? Der hat doch keine Ahnung, so ein junger Schnösel‘, haben die gesagt.“ Trotz anfänglicher Skepsis konnte Helmut Rannenberg sich schnell in das Team und vor allem in die Arbeit „reinfuchsen“, wie er sagt. Neben den anfallenden Reparaturen koordinierte er in seiner Position vor allem die Produktion und den Verkauf: „Die Grube lief gut damals. Wir haben tonnenweise Füllkies produziert – hauptsächlich für den Straßenbau.“

„Da war viel los!“
Nach seiner Tätigkeit als Betriebsleiter bei der Firma Körber wechselte Rannenberg Anfang der 1980er Jahre in den Außendienst und übernahm von 1981 bis 1988 die Aufgaben seines plötzlich verstorbenen Vorgängers Herbert Hohlbein: „Das war eine ganz schlimme Zeit“, erinnert er sich. „Da mussten wir Material für den Tunnelbau der Deutschen Bahn liefern. Die Werke mussten laufen, es gab keinen Stillstand. Wenn da Irgendetwas kaputt war, ging das ruckzuck – dann musste das wieder laufen. Das Telefon ging immer. Du hattest Dich gerade ins Bett gelegt, dann konntest Du wieder raus. Ich hatte meinen Blaumann immer dabei.“

Die heiße Phase des Tunnelbaus forderte bedingungslosen Einsatz, nicht nur nachts, sondern auch bei Wind und Wetter: „Damals waren wir ja noch nicht so gut ausgestattet wie heute, da hatten wir keine guten Regenklamotten. Auch mit der Erreichbarkeit war es früher nicht so einfach wie heute, wo alle Leute ein Handy haben. Ich hatte damals immerhin ein Autotelefon, aber auch da warst Du nicht immer erreichbar.“

Wohl auch nie vergessen wird Helmut Rannenberg den Tag, an dem das Büro der Firma Körber unter Wasser stand: „Das war was“, lacht er. „Da kam aus Hedemünden ein LKW mit Sand, um alles abzudämmen. Das hat aber alles nichts gebracht. Um zwölf Uhr nachts rief das Fräulein Zwingmann bei mir an und sagte: ‚Du, Helmut, hier ist alles abgesoffen‘ und ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein! Ab ins Auto, ins Büro gefahren und dann haben wir alle Sachen hochgestellt. Vergessen haben wir dabei die neuen Autos, die in der Halle nebenan standen. Die konnten wir dann abpumpen“, schüttelt Rannenberg noch heute sichtlich amüsiert den Kopf.

Ruhigere Zeiten
Trotz stressiger Zeiten und einiger Pannen hat ihm seine Tätigkeit bei August Oppermann viel Freude bereitet: „Besonders die Zeit bei Körber hat mir sehr viel Spaß gemacht. Da war ich selbständig und noch jung, im besten Alter sozusagen. Heute könnte ich das aber gar nicht mehr machen“, so Rannenberg, der die Firma zum 30. Juni 2004 im Alter von 62 Jahren aus gesundheitlichen Gründen verlassen hat: „Auf einmal konnte ich nicht mehr so richtig, wie ich wollte. Sonst bin ich gelaufen wie ein Hase – ich hab nie Schwierigkeiten gehabt. Das ist auf einmal dann gekommen“ beschreibt er seine Rücken- und Hüftprobleme.

Die erste Zeit ohne Arbeit war für den frischgebackenen Pensionär nicht besonders einfach: „Das war erstmal eine Umstellung für mich. Ich bin ja immer schon um halb fünf aufgestanden sonst. Oder auch mit meiner Familie gemeinsam zu Mittag essen – das kannte ich ja gar nicht!“ Aber es gab und gibt auch heute noch einiges zu tun, nicht nur in Haus und Garten, sondern auch im Hinblick auf seine Freizeitgestaltung: „Ich habe ja, als ich noch bei August Oppermann war, mehr als 20 Jahre keinen Urlaub gemacht.“ Den genießt Helmut Rannenberg jetzt gemeinsam mit seiner Frau Doris in vollen Zügen.

Hollenstedt, Mai 2011