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Günter Rosner

Ehemaliger KFZ-Schlosser

Günter Rosner Ein erfülltes Arbeitsleben
„Ich hätte gern noch mindestens bis zu meinem 65. Lebensjahr gearbeitet. Also die Arbeit hat mich irgendwie doch mehr ausgefüllt. Ich meine, ich bin jetzt in meinem Ruhestand nicht unzufrieden, um Gotteswillen! Aber dieser Rhythmus, das hat mir am Anfang doch schon gefehlt“, berichtet Günter Rosner, der die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH 1993 aus gesundheitlichen Gründen verlassen hat. 25 Jahre lang war der gebürtige Göttinger, der seit seinem 5. Lebensjahr in Bad Sooden-Allendorf lebt, für das Hedemündener Unternehmen als KFZ-Schlosser tätig – in dem Beruf, den er in den 1950er Jahren in einem Bad Sooden-Allendorfer Betrieb erlernt hat: „Eigentlich wollte ich Elektriker lernen, da bekam ich aber keine Lehrstelle und dann kam ich über’s Arbeitsamt zum KFZ-Schlosser und habe mir dann gesagt: ‚Dann ist es egal, dann nimmst Du halt das.‘ Und ich möchte sagen, dass mich das im Nachhinein sogar mehr interessiert hat als das Elektrische.“

Nach seiner Ausbildung war Günter Rosner unter anderem für weitere fünf Jahre bei einem Autoverkäufer in Göttingen tätig und kam dort zum ersten Mal mit den luftgekühlten Motoren größerer Baumaschinen wie zum Beispiel von Hanomag in Berührung, was ihm für seine späteren Aufgaben bei August Oppermann wesentlich zu Gute kam: „Da hatte ich dann genug Erfahrung und konnte schalten und walten wie ich wollte, da hat nie einer was gesagt. Ich habe da auch nie irgendwelche Probleme gehabt oder mich gestritten. Mit niemandem, gar nichts! Ich habe mich zwar mit dem Meister mal ein bisschen gekabbelt, aber später hat der schon gar nichts mehr gesagt, dann hieß es nur noch: ‚Fahr da hin und fertig!‘“

Dabei war der Einstieg bei AO für Rosner trotz aller Erfahrung zunächst eine große Herausforderung: „Ich bin damals dahingekommen und habe natürlich einen kleinen Schock gekriegt. Viel Eisen und so weiter, das kannte ich ja so auch noch nicht! Und dann habe ich nach einer KFZ-Grube gefragt und durfte mir die mittlere Werkstatthalle so ausräumen, dass ich direkt über die Grube fahren konnte. Später wurden die Fahrzeuge ja immer größer. Dann sind wir in eine größere Halle umgezogen und ganz zum Schluss habe ich die Reparaturen nur noch draußen gemacht.“ Die Fahrzeuge habe er dann auch gar nicht mehr nach Hedemünden geholt, sondern direkt vor Ort repariert, schildert Rosner. „Außerdem habe ich für die ganzen großen Fahrzeuge wie zum Beispiel die Tieflader den TÜV in Hedemünden gemacht.

„Ich denke, Du fährst Fleisch...“
Für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war Günter Rosner allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Vor seiner Zeit bei August Oppermann stand er seinem Schwiegervater, der in Bad Sooden-Allendorf eine Metzgerei betrieben hat, als Aushilfe zur Seite und hat samstags immer Fleisch in die umliegenden Ortschaften gebracht: „Einige Kollegen von AO kannten mich dann schon vom Sehen, als ich in der Firma angefangen habe und meinten: ‚Mensch, was machst Du denn hier bei uns? Ich denke Du fährst Fleisch aus…‘ Das hatte ich ja nur samstags gemacht. Deshalb hat es mir auch nichts ausgemacht, bei AO am Wochenende zu arbeiten. Vor Samstagsarbeit haben sie sich alle gescheut - jeder, der da angefangen hat. Aber mir war das scheißegal. Vor allen Dingen musste man ja auch immer wieder sehen: Eine Arbeit finden, das ging ja später schon, aber eine Arbeit behalten, das ist ja eine ganz andere Abteilung!“

Günter Rosner bei Reparaturarbeiten Und obwohl Günter Rosner es sehr wichtig war, seine Arbeit zu behalten, war auch er bei der sagenumwobenen Aktion dabei, als einige Werkstattmitarbeiter wie zum Beispiel Herbert Möhlheinrich und Walter Göttlicher ihre Frühstückspause auf der Kirmes zu einer etwas längeren Mittagspause ausgedehnt haben: „Oh, das war was! Und dann kam Göbel, der Werkstattmeister. Da war was los! Oh oh oh oh oh!‘ Damals wurden die betreffenden Mitarbeiter von Hermann Göbel entlassen und noch am selben Abend von Herbert Hohlbein wieder eingestellt. (siehe Beitrag Herbert Möhlheinrich)

„Und danach war ich irgendwann mal in Bad Sooden-Allendorf auf dem Erntefest und wir standen da an der Theke. Auf einmal fasst mich jemand von hinten auf die Schulter und sagt: ‚Mein lieber Mann, ihr feiert hier aber `ne schöne Fete!‘ Und ich habe gar nicht hingeguckt und meinte: ‚Ja, schön, nicht?` Und dann dreh ich mich um und sehe meinen Chef da stehen und denke mir: ‚Ach Du Scheiße, was hast Du denn jetzt gemacht?‘ Und dann sagt er zu mir: ‚Ja, hier gehst Du hin, aber zur Kirmes in Hedemünden kommst Du immer nicht.‘ Da habe ich gesagt: ‚Nee, in Hedemünden war ich einmal und da hatte ich die Schnauze voll!“, lacht er.

10 weitere Jahre?
Während seiner 25-jährigen Tätigkeit im Kiesgewinnungsunternehmen verstand sich Günter Rosner nicht nur hervorragend mit dem damaligen Chef Bernhard Oppermann, auch zu dessen Sohn und späteren Chef Wilhelm Oppermann pflegte der Bad Sooden-Allendorfer ein freundschaftliches Verhältnis. In seinen Semesterferien habe der Junior Rosner hin und wieder bei seiner Arbeit über die Schulter geschaut, um das Unternehmen besser kennenlernen zu können: „Da musste man nur aufpassen, dass er sich nicht die Knochen klemmt. Aber es war immer alles in Ordnung. Ich hab ihn auch nicht fahren oder an die Geräte gelassen. Nix! Nee, nee! Da hab ich schon aufgepasst! Bei meinem 25-jährigen Jubiläum saß sein Vater, Bernhard neben mir. Da hat er den Arm um meine Schulter gelegt und meinte: ‚Günter, wir beide müssten nochmal schön weitere 10 Jahre zusammenarbeiten“, erzählt Rosner stolz.

Auch, wenn er selbst gern länger für August Oppermann tätig gewesen wäre und ihm seine Arbeit aus heutiger Sicht sehr fehlt, hat Günter Rosner das Unternehmen kurz nach seiner 25-Jährigen Betriebszugehörigkeit aus gesundheitlichen Gründen verlassen müssen. Trotzdem kommt er mit seiner Zeiteinteilung gut zurecht, wie er sagt. So hilft er beispielsweise seiner Frau bei Einkäufen, engagiert sich für die Straßengemeinschaft oder kümmert sich um seinen Garten: „Ich habe noch einen Garten Richtung Asbach. Im Sommer bin ich da immer sehr viel. Wenn ich dort etwas machen kann, mache ich das und wenn nicht, dann lass ich’s. Ich kann mir meine Zeit gut einteilen. Ich gehe raus und unternehme etwas und manchmal, wenn der Busunternehmer hier vor Ort ein Problem mit seinen Fahrzeugen oder etwas zu Schrauben hat, dann schlüpfe ich auch nochmal in meine alte Rolle als KFZ-Schlosser und biete meine Hilfe an.“


Bad Sooden-Allendorf, November 2011