Wir liefern Grundlagen

Walter Schopf

Ehemaliger Kaufmännischer Leiter der August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH

Walter Schopf Ein sehr großer Vertrauensbeweis
„Die Zeit bei Oppermann, muss ich sagen, war eigentlich die schönste Zeit meines Berufslebens“, resümiert Walter Schopf, den wir zum Interview nicht etwa auf der gemütlichen Couch in seinem Wohnzimmer in Kaufungen antreffen, sondern in seinem Büro in der Brückenstraße 12 in Hedemünden.

Nachdem er sein Angestelltenverhältnis bei der August Oppermann GmbH im Dezember 2007 offiziell beendet hatte, unterstützt er seit Anfang 2008 das Unternehmen als Vorsitzender des Beirats in Belangen, die vor allem die Betriebsprüfungen betreffen. Begonnen hat er seine Karriere bei AO jedoch als Kaufmännischer Leiter vor fast 30 Jahren.

Nach seinem ersten Arbeitstag am 1. April 1982 merkte er sehr schnell, dass sein neuer Job ihm mehr abverlangen würde, als die Tätigkeiten bei seinen vorherigen Arbeitgebern: „Mein erster Gedanke war: Also ich glaube, hier muss ich ein bisschen mehr bewegen, als damals in Kassel. Und so war es dann auch“, erinnert sich der gebürtige Sudetendeutsche, der erst eine Ausbildung zum Industriekaufmann in einem Schmelztiegelwerk in Grossalmerode absolvierte und später als Buchhaltungsleiter zu einem Kasseler Bauunternehmen wechselte.

Als Walter Schopf nach 12 Jahren dann in eine Führungsposition zu einer anderen Firma der Bauindustrie wechselte, kam von der August Oppermann GmbH das Angebot, als Kaufmännischer Leiter nach Hedemünden zu kommen: „Ich wusste nicht, wer Oppermann ist. Ich kannte die Firma nur vom Namen aufgrund meiner Tätigkeit in Kassel. Der große Oppermann, der Kies-Oppermann, aber wer das letztendlich war – ich hatte keine Ahnung.“

Dennoch nahm der heute 67-Jährige das Angebot an und erhielt als „rechte Hand“ von Bernhard Oppermann schon zwei Monate nach seinem Arbeitsbeginn nicht nur Generalvollmacht, sondern wurde ab 1984 außerdem bei diversen Unternehmen der Firmengruppe, und ab 2001 im Stammhaus, zum Geschäftsführer bestellt: „Das war damals und ist auch heute für mich natürlich ein sehr großer Vertrauensbeweis“, blickt Schopf sichtlich gerührt auf sein enges Verhältnis zum Seniorchef zurück.

Willkommen im 21. Jahrhundert
Mit Walter Schopf kam nicht nur eine Person nach Hedemünden, deren unermüdliches Engagement sowohl für die Firma als auch für die Familie Oppermann besonders erwähnenswert ist – mit ihm hielten auch moderne Zeiten Einzug bei AO: Mit der Einführung einer neuen EDV in der Verwaltung ersetzte er nach und nach die Magnetkontenrechner, Lochkarten und Schreibmaschinen.

Durch die besonders tatkräftige Unterstützung von Betriebsabteilungsleiter Kurt Koppetsch, Buchhaltungsleiter Reiner Hiese, Fakturist Viktor Rühling und Lohnbuchhalterin Dietlind Dittrich war es möglich, sehr zügig und ohne große Komplikationen alle Abteilungen der Verwaltungen auf die neue EDV umzustellen. „Wir haben im Sommer 1982 mit der Umstellung begonnen und schon im Dezember konnten wir in allen Bereichen den Jahresabschluss fahren. Ich konnte das kaum glauben“, berichtet Schopf voller Stolz von der gelungenen Aktion. Im Zuge der EDV-Umstellung hat er dann auch gleich die Ordnerstruktur der einzelnen Betriebe erneuern lassen: „Ich habe immer gesagt: ‚Wenn das Licht ausgeht und wir haben nur eine kleine Kerze, dann muss jeder Betriebsordner genau dieselbe Systematik haben. Das hat Hannelore Henne mit unvorstellbarem Fleiß in die Tat umgesetzt.“

Neben der Neuorganisation der Verwaltung wurde Walter Schopf außerdem mit der Überwachung laufender behördlicher Abbaugenehmigungen und neuer Antragsverfahren sowie Grundstücksverhandlungen betraut. Letzteres ein Aufgabengebiet, das für ihn als gelernten Bilanzbuchhalter anfangs noch völlig fremd war: „Die Grundstücksdinge, wie viel Quadratmeter ein Morgen, ein Hektar hat, das habe ich schnell gelernt. Aber auf die Dinge zu achten, auf die es bei der Bewertung des Kiesvorkommens ankommt, wo man erst beim Geologischen Landesamt nachhaken muss, wie man Bohrkerne lesen lernt , die Qualität des Kieses darin einschätzt und sich mit den Bohrmeistern sachkundig unterhält – dafür hatte ich den besten Lehrmeister, der das ein Leben lang gemacht hat und das war Bernhard Oppermann.“

„Walter“ baggert immer noch
Bei all den vielen Geschäftsführungen und dem damit verbundenen umfangreichen Aufgabenkatalog ist Walter Schopf der Standort Eschwege besonders ans Herz gewachsen, nicht nur weil er hier zum ersten Mal Geschäftsführer wurde, sondern auch, weil ihm das langwierige Genehmigungsverfahren und der sehr problematische Grundstückserwerb wohl immer in Erinnerung bleiben wird. Besonders viele Vorurteile gegenüber dem Kiesgewinnungsvorhaben prasselten Schopf aus dem Eschweger Ortsteil Niederhone entgegen: „Das hat 13 Jahre gedauert, vom ersten zaghaften Versuch, mit den Leuten zu sprechen, mit den Behörden und der Stadt.“

Seit 2009 ist das Werk in Niederhone inzwischen in Betrieb. Ein schwimmender Eimerkettenbagger, von Wilhelm Oppermann liebevoll auf den Namen „Walter“ getauft, fördert hier im Nassabbau etwa 200 Tonnen Kies pro Stunde. „So wird ‚Walter‘ weiter Kies gewinnen – in guter Tradition“, kommentierte der Geschäftsführer der August Oppermann-Gruppe in seiner Rede auf Schopfs Abschiedsfeier am 29. Mai 2008 am Werratalsee die Namensgebung. Ein kleiner Trost für die schwere Entscheidung des „Oppermann‘schen Urgesteins“, das Unternehmen zum 31.12.2007 aus gesundheitlichen Gründen offiziell zu verlassen: „Der Gedanke, dass ich irgendwann aufhören muss, der war immer da, nur der Horizont bis dorthin, der war unendlich weit.“ Den letzten Arbeitstag hat Walter Schopf entsprechend wehmütig in Erinnerung: „Der war schlimm, da war ich nicht gut genießbar.“

Allem Wehmut zum Trotz genießt der heutige Beiratsvorsitzende „im Ruhestand“ seine neu gewonnenen Freiheiten, die ihm die Nebentätigkeit bei AO lässt. Mit seiner Frau Rita holt er heute das nach, was er während seiner Zeit bei AO oft nicht unbeschwert genießen konnte – den gemeinsamen Urlaub: „Urlaub während der aktiven Zeit bei AO war eine schlimme Zeit für mich und wahrscheinlich für die, mit denen ich im Urlaub war, noch viel schlimmer“, lacht Schopf. Außerdem sind die beiden Hobby-Golfer vor kurzem dem Seniorclub ihres Golfclubs beigetreten, um im wahrsten Sinne des Wortes am Ball zu bleiben: „Die Mitgolfer dort achten schon darauf, dass Du jeden Donnerstag kommst.“

Und wenn nicht gerade Urlaub oder Golfen auf dem Plan steht, verbringen die Schopfs viel Zeit mit guten Freunden oder besuchen ihren Sohn und Familie (1 Enkel) in Düsseldorf und ihre Tochter und Familie (Enkel und Enkelin) vormals in Brasilien und jetzt in Italien – denn Familie und Freunde haben für Walter Schopf heute einen besonderen Stellenwert, auch wenn August Oppermann immer eine bedeutende Rolle in seinem Leben spielen wird: „Ich habe Glück gehabt mit meiner Frau, ich habe Glück gehabt mit meinen Kindern, ich habe Glück gehabt auch mit mir, mit meiner Gesundheit, mit allem Drum und Dran. Aber mein berufliches Leben – das war Oppermann.“

Hedemünden, April 2011