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Erhard Schwarze

Ehemaliger Raupen- und LKW-Fahrer

Erhard Schwarze Dem großen Traum einen Schritt näher
„Schon als kleiner Junge waren Baumaschinen mein großer Traum. Die Maschinen konnten nicht groß genug sein!“, schwärmt Erhard Schwarze. Der gebürtige Hohnstedter, der mittlerweile in Katlenburg-Lindau lebt, kam schon sehr früh mit der Firma August Oppermann in Berührung. Im Alter von 16 Jahren, direkt im Anschluss an seine Ausbildung, wurde der gelernte Schmied bei der Kiesgewinnungs- und Vertriebs- GmbH vorstellig: „Der Seniorchef wollte, dass ich gleich Raupe fahre. Und dann ging das immer so weiter: Von der Raupe auf den Bagger, dann mal wieder in die Werkstatt.“

Als Bernhard Oppermann ihm 1971 eine nagelneue Raupe an die Seite stellte, konnte Erhard Schwarze zeigen, dass eine Baumaschine für ihn tatsächlich mehr als ein bloßer Gebrauchsgegenstand ist: „Der Chef sagte damals zu mir: ‚Die habe ich für Dich gekauft und so behandele sie auch!‘ Und das habe ich immer gemacht. Es kam sogar hin und wieder vor, dass ich sie samstags mit Prilwasser gewaschen habe. Wo ist das üblich?“

Doch obwohl er immer mit Baumaschinen arbeiten wollte, war sein Berufsstart bei August Oppermann für den jungen Schwarze eine große Herausforderung: „Ich musste ja auch in die Fremde, bis nach Hannover hoch. Überall waren die Werke, in denen ich dann hauptsächlich Abraumarbeiten gemacht habe.“ Später hat der heute 67-Jährige, der mehrere Jahre Fußball-Jugend-Trainer war, dann selbst vielen jungen Nachwuchskräften das Raupe-Fahren beigebracht: „Und ich bin dabei nicht davor zurückgeschreckt, den Leuten durchaus auch davon abzuraten, wenn ich gemerkt habe, dass da zu viel Angst war, wenn sie an eine Kante oder ans Wasser fahren mussten“, erzählt er.

Sein Talent, anderen Menschen etwas beizubringen, konnte Erhard Schwarze bereits während seiner Grundausbildung bei der Bundeswehr im Alter von 19 Jahren unter Beweis stellen. Nachdem er dort seinen LKW-Führerschein gemacht hat, wurde er sehr schnell selbst zum Ausbilder bei der Bundeswehr-KFZ-Fahrschule: „Ich hatte und habe auch heute noch Geduld mit jungen Menschen. Das war bei Oppermann nicht anders. Ich hatte dann auch Leute, die LKW fahren lernen wollten und ich habe mir immer gesagt: ‚Die brauchen ihre Zeit und dann schaffen die das auch‘“, erzählt Schwarze, der sich außerdem einige Jahre lang als Betriebsratsmitglied in der Firma engagiert hat.

Der „Junge“ und seine Vorgesetzten
Nach der Bundeswehr wurde Erhard Schwarze zunächst weiterhin auf diversen Baustellen mal mit der Raupe, mal mit einem Bagger eingesetzt. In diesem Zusammenhang war er unter anderem für die vorbereitenden Tätigkeiten der Bundesgartenschau, die 1981 in Kassel Waldau eröffnet wurde, zuständig. Besonders stolz ist er aber auf die Staustufen, die er Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre unter anderem in Zusammenarbeit mit Edmund Mühlhausen in Vienenburg im Flussbett der Oker eingerichtet hat: „Das haben wir damals gemacht, um den Fluss zu verlangsamen. Außerdem bekommt das Wasser so viel mehr Sauerstoff. Das hat riesigen Spaß gemacht! Das war noch unter dem damaligen technischen Geschäftsführer Herbert Hohlbein. Das war der Vorgesetzte, den man sich wünscht. Der hat zwar auch mal geschimpft, war aber nicht nachtragend und genauso war das bei Horst Dörrig, dem Nachfolger von Herbert Hohlbein.“

Ein ebenfalls sehr vertrauensvolles Verhältnis hatte Erhard Schwarze zum damaligen Chef Bernhard Oppermann, der für ihn fast wie ein zweiter Vater war: „Da ich schon mit 16 Jahren in der Firma angefangen habe, war ich für ihn bis zu meinem letzten Arbeitstag immer noch der ‚Junge‘. Wenn er damals zu uns auf die Baustelle kam, haben die anderen Kollegen immer Zigaretten bekommen und für mich hatte er stattdessen immer eine Tafel Schokolade dabei. Das hat er sich nicht nehmen lassen“, erinnert er sich gerührt zurück.

„Und wenn man allein auf der Baustelle war und es musste irgendetwas erledigt werden, dann hat er auch selbst mit angepackt, obwohl er im Anzug kam. Er war hinterher genauso dreckig wie ich auch! Und dann fragte er immer: ‚Junge, kannst Du jetzt ohne mich weitermachen?‘ Als ich bei AO angefangen habe, da hat Bernhard Oppermann alles allein gemacht, hat die Raupen eingeteilt usw. Da kann ich nur sagen ‚Hut ab!‘ Das war Bernhard Oppermann! Das sind so Sachen, die vergisst man nie! Na klar, der Seniorchef hat auch viel verlangt, aber er hat es auch honoriert. Immer wieder!“

Einer für alle, alle für einen
Anfang der 1990er Jahre sollte sich der fahrbare Untersatz von Erhard Schwarze bis zu seinem Ruhestand noch einmal ändern: In seinen letzten 20 Arbeitsjahren hat er für die Firma August Oppermann überwiegend Baumaschinen per LKW transportiert. Obwohl Schwarze von der Vorstellung anfangs nicht gerade begeistert war, meisterte er nicht zuletzt durch das grenzenlose Vertrauen seines damaligen Vorgesetzten Horst Dörrig seine neue Aufgabe hervorragend.

„Der LKW war über 31 Meter lang und Dörrig hat damals zu mir gesagt: ‚Fahr damit los! Mach Dir keine Gedanken! Wenn Du hängen bleibst, dann helfen wir Dir! Und das gibt einem dann so viel Vertrauen, dass man die Dinge einfach macht. Und was mich besonders beim Horst Dörrig gefreut hat war, dass er sich wirklich um seine Leute gekümmert hat. Wenn ich Transporte gefahren bin, dann klingelte spätestens am anderen Morgen um 7 Uhr mein Telefon und er hat sich erkundigt, ob alles geklappt hat. Das macht Dich unheimlich stolz, wenn Du weißt, es lässt dich niemand hängen. Es ist eben ein Gemeinschaftsprojekt. Ich alleine kann gar nichts.“

Von den zahlreichen Transporten, die Erhard Schwarze für die Firma abgewickelt hat, sind ihm zwei besonders im Gedächtnis geblieben: Der Transport eines 55 Tonnen schweren und sieben Meter breiten Brückenteils im Jahr 2002 und der Transport von Baggerteilen, die er Mitte der 1990er Jahre extra aus Frankreich abgeholt hat. Das besagte Brückenteil führt heute über die Oder und dient als Zufahrt zur Kiesgewinnungsanlage, die zwischen Katlenburg und Lindau liegt. Der Transport mit einer Gesamtlänge von 33 Metern von Hedemünden nach Katlenburg erforderte nicht nur ganze drei Stunden, sondern auch das Fingerspitzengefühl von Schwarze: „Wenn man die Brücke da heute liegen sieht, kann man kaum glauben, dass so ein riesiges Teil auf normalen Verkehrswegen transportiert wurde. Aber das geht alles“, erklärt er und weist daraufhin, dass für die Aktion nicht nur einzelne Straßenabschnitte von der Polizei kurzzeitig gesperrt, sondern an mehreren Stellen sogar Verkehrsschilder abmontiert werden mussten, um den Auftrag erfolgreich abschließen zu können.

Ebenfalls erfolgreich, wenn auch ungleich komplizierter, verlief die Abholung von Baggerteilen aus Frankreich 1996, als Schwarze mit seinem Fahrzeug in einen LKW-Streik in der Nähe von Le Puy geriet: „Da haben wir eine Woche lang auf der Autobahnbrücke gestanden. Auf einmal war die Autobahn zu. Abgesperrt und Feierabend! Nur die PKWs konnten noch durch, alles andere nicht. Drei, vier Mal sind LKWs gekommen mit lebenden Tieren – die haben sie auch durchgelassen. Aber Fisch? Nix! Das hat getropft und gestunken. Wir haben quasi eine Woche lang mit zwei Mann im Führerhaus gelebt. Am Anfang kamen noch Leute von der Gewerkschaft vorbei, die den Streik organisiert haben und haben uns etwas zu essen gegeben. Aber nach ein paar Tagen wurden die Regale in den Geschäften leer. Ich hatte ja noch meine Kühltasche voll, aber kein Mensch hat uns gesagt, wie lange das dauert“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Das alles kann man aber immer nur im Team schaffen. Das WIR ist, was zählt. Sie werden von mir auch nicht hören, dass ich behaupte, ich hätte dieses Haus hier alleine gebaut. Dass wir so einen schönen Garten und so ein schönes Haus haben, das haben meine Frau und ich gemeinsam und durch die Hilfe unserer Freunde erreicht“, erzählt Schwarze, der nach 49 Jahren bei der Firma August Oppermann am 1. Dezember 2008 in den wohlverdienten Ruhestand ging.

Seitdem widmet er sich diversen Hobbies. Er spielt ab und zu Tennis, kümmert sich so oft er kann liebevoll um den dreijährigen Sohn einer Bekannten und pflegt die Pferde einer anderen guten Freundin: „Ich füttere sie, longiere sie und so weiter. Die Tiere müssen ja beschäftigt werden. Das macht einen Riesenspaß!“

Große Freude bereitet den Schwarzes auch ihr Gartenteich, in dem sie schon seit 10 bis 15 Jahren mehrere Kois halten. „Die sehen einfach gut aus und machen alles so schön in Ruhe, ruhige Bewegungen – das überträgt sich auch auf mich. Diese Tiere sind außerdem unglaublich sozial. Ich hatte mal einen großen Koi und habe ein paar Jungtiere dazu gekauft. Dann hat der Große das Futter, das ziemlich grobkörnig ist, extra für die Kleinen zermalmt und es im Wasser verstreut, damit sie fressen können“, berichtet Schwarze fasziniert.

Und das war es schließlich auch, was für Erhard Schwarze die Firma Oppermann ausgemacht hat: Der Zusammenhalt und das „WIR“, das er an vielen seiner Vorgesetzten und Arbeitskollegen auch heute noch besonders schätzt: „Ich finde es toll, dass Wilhelm Oppermann Veranstaltungen, wie das Mitarbeiterfest im vergangenen Jahr in Gimte, organisiert. Das kommt bei den (ehemaligen) Kollegen sehr gut an und frischt alte Erinnerungen wieder neu auf.“

Katlenburg-Lindau, August 2011

Zeitungsausschnitt 2001: Kiesabbau Katlenburg-Lindau
Zeitungsbericht 2002: Bruecke-Katlenburg-Lindau