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Werner Schwerthelm

Ehemaliger Grubenleiter Förste

Werner Schwerthelm Aller Anfang ist schwer ... manchmal auch das Ende!
„Das ist einem nicht so gut bekommen zu Haus. Ohhhh, das war schwierig! Wenn man 47 Jahre voll durchgearbeitet hat und dann auf einen Schlag zu Haus ist. Das war, als ob das Leben ein Ende hat. So ungefähr kam einem das vor. Als wenn man nicht mehr gebraucht wird. Naja und dann hat man hier im Garten und am Haus etwas zu tun gehabt. Da ging das dann, dass man darüber hinwegkommt“, erzählt Werner Schwerthelm, der seit Mitte der 60er Jahre für die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH tätig war. Vor neun Jahren ging er im Alter von 63 Jahren in seinen wohlverdienten Ruhestand. Rückblickend fiel der Start in die 3. Lebensphase wohl vor allem deshalb so schwer, weil er bis auf wenige Ausnahmen nur Positives über seine ehemaligen Vorgesetzten und Arbeitskollegen berichten kann: „Das sind alles gute Freunde gewesen. Ich bin mit denen allen gut ausgekommen. Ich bin auch immer gerne hin zur Arbeit. Das war die richtige Stelle für mich. Ich habe gutes Geld verdient!“

Begonnen hat alles damit, das Werner Schwerthelm mit 15 Jahren (Anfang der 1950er Jahre) eine KFZ-Schlosserlehre in Osterode angefangen aber nicht abschließen konnte, weil es in seinem Ausbildungsbetrieb seinerzeit keinen Meister gab. Viele Männer waren im 2. Weltkrieg gefallen oder noch in Gefangenschaft und es fehlten Fachkräften. „Damals war das überhaupt schlecht in der Zeit mit Arbeit usw. Ich habe keine andere Lehrstelle gefunden und dann hat sich das mit dem Gut in Förste ergeben.“ Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es in Schwerthelms Geburtsort Förste noch ein Rittergut, auf dem er nach seiner KFZ-Schlossertätigkeit eine Anstellung fand. Er wurde damit beauftragt, das Gut zu bewirtschaften, Schlepper und Maschinen zu fahren und Reparaturen auszuführen.

Über die Landwirtschaft zur Kiesgewinnung
Da die Bohrungen nach Kies im Vorfeld auf den Feldern des Rittergutes sehr vielversprechend aussahen, wurde 1969 das Gut von Bernhard Oppermann und damit von Schwerthelms zukünftigem Arbeitgeber übernommen. Die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH war auf Wachstumskurs und sah im Aufbau eines neuen Kieswerkes in Förste großes Potential.

Am Anfang seiner Karriere bei AO hat Schwerthelm allerdings erst einmal das Gut völlig selbständig für Bernhard Oppermann weiterbewirtschaftet. Bereits in dieser Phase half er aber hin und wieder abends – nach getaner Arbeit auf dem Gut – im Förster Kieswerk aus. „Ich habe vorher schon zwischendurch hier gearbeitet und nach Feierabend noch in der Kiesgrube manchmal LKW gefahren, Kies rausgefahren auf Halden und so. Ich kannte mich ja gut aus mit den Radladern“, erzählt der 74-Jährige stolz. Insgesamt 10 Jahre hat Werner Schwerthelm das Landgut bewirtschaftet, bevor er ein „richtiger“ AO-Mitarbeiter wurde.

Durch seine langjährigen Aushilfstätigkeiten im Werk war er bei den Kollegen vor Ort kein unbeschriebenes Blatt und so konnte Schwerthelm ohne größere Einarbeitungszeit direkt in seinen neuen Kies-Arbeitsalltag eintauchen: „Siebe wechseln, auch schweißen, wenn was kaputt war und zwischendurch auch Verladen. Dann kamen die mit großen LKWs, da mussten wir mit Radladern aufladen. Wenn dann viel zu tun war, Reparaturen waren oder so, musste man auch abends länger machen. Da haben wir auch manchmal Nachtschichten eingeschoben. Zu der Zeit wurden damals ja die ganzen Umgehungsstraßen hier gebaut“, erinnert er sich.

Werner Schwerthelm fühlte sich an seinem neuen Arbeitsplatz pudelwohl und arbeitete sehr engagiert. Damit erwarb er in kürzester Zeit die Anerkennung der Geschäftsführung. Resultat seines Engagements: Er wurde nach nur ein bis zwei Jahren im Kieswerk (Anfang der 70er Jahre) zum Grubenleiter ernannt – eine Zeit, aus der er noch die eine oder andere Anekdote zum Besten gibt.

Ende gut – alles gut
Vieles ist in dieser Zeit geschehen. Leider nicht immer nur Gutes, aber Schwerthelm hatte, Gott sei Dank, Glück im Unglück: „Mit `nem gebraucht gekauften, älteren LKW habe ich mal einen Unfall gehabt. (…) und da hatten Fremde über Nacht den Bolzen rausgezogen, hinten auf einer Seite. Da bin ich dann mit losgefahren. Ich machte den Kipper hoch, der schlägt rum und haut das ganze Führerhaus weg. Ich saß da drin – eingeklemmt! Es hatte die Scheiben vorne rausgeschlagen, alles weg! Es war ja platt und dann bin ich an der Seite aus dem Fenster gleich raus. Ich bin dann auch für eine Zeit zu Haus gewesen, hatte Brustquetschungen!“

Aber es gibt natürlich auch viele sehr lustige Erinnerungen an seine Zeit bei AO. Besonders ist ihm ein ausgelassener Abend mit dem damaligen technischen Geschäftsführer Herbert Hohlbein und seinem Chef Bernhard Oppermann im Gedächtnis geblieben: „Da bin ich krank gewesen, wollte aber am anderen Tag wieder zur Arbeit. Und dann waren wir hier in der Kneipe in Förste und dann haben mich Bernhard Oppermann und Herbert Hohlbein gesucht. Ich war aber nicht zu Hause. Da hat Bernhard mich in der Kneipe gesehen: ‚Ja hier in der Kneipe rumsitzen und nicht zur Arbeit.‘ Da sag ich: ‚Morgen komm ich doch sowieso wieder‘ – ‚Ja und wo ist Deine Frau?‘ Ich sag: ‚Die ist zu Haus‘ und da haben sie die noch geholt, nachts um 12. Ich hatte am anderen Tag Geburtstag und da haben wir zusammen reingefeiert, getanzt – die ganze Kneipe. Da waren auch noch zwei Raupenfahrer mit“, lacht Schwerthelm.

Die Sache mit dem Hubschrauber
Eine weitere Anekdote, die dem Osteroder im Zusammenhang mit Bernhard Oppermann und Herbert Hohlbein einfällt, ist Folgende: „Einmal sind sie mit ’nem Hubschrauber runtergekommen, der Hohlbein und der Bernhard. Ich hatte den schon von weitem gehört. Sie sind dann auf die Straße runter und ein LKW-Fahrer kommt an und fährt da durch. Hat das Rotorblatt nicht gesehen und brummt das Ding kaputt. Die hatten einen Termin in Hannover und dann ging das los. Telefoniert, nur telefoniert und dann wurden die beiden hier abgeholt und dann sind sie mit ’nem Auto nach Hannover gedonnert. Den Hubschrauber haben wir abends verladen, auf ’nen Tieflader. Der musste nach Kassel, die Rotorblätter erneuern.“

Das Ende in Förste
Als das Kieswerk in Förste Ende der 80er Jahre geschlossen wurde und nur noch als Bedarfswerk diente, wurde Werner Schwerthelms Arbeitsplatz für die letzten 12 Jahre seiner Berufstätigkeit nach Vienenburg verlegt. In den ersten drei Jahren hat er Förste nebenbei noch als „Ein-Mann-Betrieb“ weitergeführt: „Die Leute sind dann gekommen und haben angerufen und dann bin ich von Vienenburg aus hierher gefahren und hab dann hier noch verkauft, auch sonnabends. Dann standen die Bauern bis hier unten zur Straße runter. Ich habe dann von der Halde verkauft und bin auch selbst noch Saugbagger gefahren. Dann habe ich manchmal die Silos noch vollgepumpt und das verkauft“, erinnert sich Schwerthelm.

Den wohlverdienten Ruhestand genießt er – nach ersten holprigen Schritten – gemeinsam mit seiner Frau. Bis heute hält Werner Schwerthelm nichts davon, auf der faulen Haut zu liegen. Mit sage und schreibe 70 Jahren hat Werner Schwerthelm sich und seine Frau im Fitnesscenter in Osterode angemeldet: „Wir gehen jetzt schon seit 4 Jahren dreimal in der Woche ins Fitnesscenter. Das tut uns wahnsinnig gut!“


Förste, Februar 2012