Wir liefern Grundlagen

Harry Träger

Ehemaliger Geschäftsführer der OSA Werra Kies- und Sandwerke-GmbH

Harry Träger Ein Bergmann auf Umwegen
In dem Buch „Der Braunkohle-Bergbau am Meißner 1558-1974“, das Harry Träger gemeinsam mit Clemens Marzela als historischen Rundblick und Begleitbroschüre für montanhistorische Wanderungen auf dem Meißner geschrieben hat, wird unser heutiger Interviewpartner nicht zu Unrecht als „Bergmann aus Passion“ charakterisiert. Trägers Leidenschaft für den Bergbau ist dem zugezogenen Berkataler auch in unserem gemeinsamen Gespräch deutlich anzumerken, auch wenn sein beruflicher Werdegang ursprünglich andere Wege für ihn vorgesehen hatte. 1927 in Eger/Sudetenland geboren, war Träger zunächst im Flugzeugbau tätig und wollte in diesem Bereich auch ein Ingenieursstudium aufnehmen. Als er 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, durften allerdings zunächst keine Flugzeuge mehr gebaut werden. Auf der Suche nach seiner Mutter, die nach Frankershausen ausgesiedelt wurde, fand er sich schließlich im Eschweger Raum wieder: „Als ich mit dem Bus durch das ‚Höllental‘ nach Frankershausen gefahren bin, hab ich mir gedacht: ‚Hier kannst Du unmöglich bleiben!‘“, erinnert er sich lachend. „Da ich aber nicht verhungern wollte, musste ich mir irgendwo Arbeit suchen.“

Nachdem er sich vor Ort beim Arbeitsamt gemeldet hatte, blieb ihm nur die Möglichkeit, entweder im Steinbruch oder im Bergbau tätig zu werden: „Und da habe ich mir gedacht, wenn Du schon in die ... greifst, dann greif gleich richtig rein und bin in den Bergbau gegangen mit dem Ziel, in diesem Bereich einen Ingenieursstudienplatz zu bekommen.“

Seinen Studienplatz bekam Träger prompt und arbeitete nach erfolgreich abgeschlossenem Studium bis 1974 als Betriebsführer bei der Bergwerk Frielendorf/Bubiag AG auf dem Meißner in den Tagebauen Grebestein und Kalbe. Im Anschluss wurde Träger nicht nur Leiter eines Bohr- und Sprengunternehmens, sondern auch Geschäftsführer bei der VSI – der Vereinigten Sand- und Steinindustrie (später Werra Kieswerk Meister GmbH).

Etwa zum selben Zeitpunkt, Mitte der 1970er Jahre, verstärkte die Firma August Oppermann im Eschweger Raum ihre Aktivitäten, erwarb zwei Kiesfirmen, darunter die VSI, gründete schließlich die OSA Werra Kies- und Sandwerke GmbH und übernahm Harry Träger als erfahrenen Geschäftsführer: „Es war eine mörderische Zeit. Das war nicht so, dass ich bei der einen Firma aufgehört und bei der anderen angefangen habe, sondern ich habe anfangs mehrere Tätigkeiten gleichzeitig gehabt, die dann nach und nach ausgelaufen sind, bis ich nur noch bei der OSA war.“

Voller Einsatz für OSA
Die OSA konnte sich nach ihrer Gründung nicht zuletzt aufgrund Trägers Engagement in der Region recht schnell etablieren: „Wir sind dann in Eschwege dazu übergegangen und haben Trockenkiesabbau gemacht. Das heißt, wir haben das anstehende Grundwasser abgesenkt, so dass wir 99% des Kieses gewinnen konnten. Bei der Nassgewinnung sieht man ja nichts, da bleiben bestimmt 20 bis 30% Kies sitzen.“

Da Träger damals guten Kontakt zur „Bergbau-Mafia“ hatte, wie er augenzwinkernd sagt, war ihm sehr daran gelegen, den Kiesabbau in der Region möglichst unter Bergaufsicht zu stellen, um die gesamte Planung über eine einzige Behörde abwickeln zu können: „Und das erste, was wir dann gemacht haben nach Bergrecht: Wir haben einen sogenannten Rahmenbetriebsplan erstellt, der sich auf das gesamte Werratal bezog. Wir hatten damals weder Drucker, noch Scanner, noch Plotter. Das wurde alles von Hand gemacht, es wurden Pläne 30 bis 40-fach koloriert und eingereicht.“

Trägers Idee war es schließlich auch, eine betriebseigene Materialprüfstelle aufzubauen, um gleichbleibende Qualität gewährleisten zu können: „Ich habe in Eschwege zum ersten Mal ein Labor für uns selbst eingerichtet. Ich hab schon Kiesuntersuchungen vorgenommen, da war das noch gar nicht Vorschrift, ich wollte Qualitätskies haben!“

Als Träger 65-jährig nach seiner Geschäftsführertätigkeit bei der OSA hin und wieder Anrufe vom damaligen Seniorchef Bernhard Oppermann erhielt, erntete er jede Menge Lob für seinen unermüdlichen Einsatz: „Er hat mir auf die Schulter geklopft und gesagt: ‚Du hast das betrieben, als wenn es Dein Eigenes gewesen wäre.‘ Und so hab ich das ja auch gemacht. Ich habe Grundstücke gekauft, hab Planungen erstellt und für Absatz gesorgt. Mir war’s doch Wurst, ob ich nun Geschäftsführer heiße oder Prokurist oder ob ich Seppelhuber heiße. Es ging mir darum, dass Tag und Nacht der Betrieb läuft und wenn’s sein musste, wurde am Sonntag gearbeitet oder eben bei Sturm und Regen! Die Belegschaft hat durch den überdurchschnittlichen Einsatz zu diesen guten Betriebsergebnissen sicherlich wesentlich beigetragen!“

Ruhestand? Nicht mit Harry Träger!
1992 ging Harry Träger in Rente, doch ans Beine-Hochlegen war für den passionierten Bergmann nicht zu denken. Umgehend meldete er eine eigene Beratungsfirma an und unterstützte für nochmals 10 Jahre nicht nur kleinere Unternehmen, sondern vor allem auch weiterhin die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs- GmbH, für die er Anfang der 90er Jahre oft in den neuen Bundesländern unterwegs war: „Ich habe untersucht, wo Kies ist, habe meinen Fuß draufgestellt, hab Sperrgrundstücke gekauft und dann viel mit den Behörden gearbeitet.“ Bis 2002 war er noch beratend tätig „und dann hab ich das langsam auslaufen lassen. Ich war ja schon ein alter Knacker.“

Genug Elan, um sich bis heute der Denkmalpflege zu widmen und sich ehrenamtlich für die Erhaltung bergbaulicher Relikte auf dem Meißner einzusetzen, hatte Harry Träger aber immer noch: „In dieser Zeit hab ich mir dann eine Ersatz-Tätigkeit beschafft. Am Hohen Meißner wurde einst Braunkohlebergbau betrieben – 400 Jahre lang und ein Teil der Relikte ist noch vorhanden. Diese Bauwerke, Stollen und Mundlöcher wurden einfach zerstört und kaputt gemacht. Da bin ich dazwischen gegangen und habe gesagt: ‚Stopp! Das sind Kulturdenkmäler und wir haben sie – so noch nicht geschehen – unter Denkmalschutz gestellt. Dann haben wir vorhandene Stollenportale abgebaut, wieder fixiert und für die nächsten 400 Jahre gesichert.“ Begonnen hat seine Leidenschaft für die Denkmalpflege in der Region aber schon früher, in den 1980er Jahren, als Träger gemeinsam mit Gleichgesinnten die Grube „Gustav“ in zahlreichen Arbeitseinsätzen so saniert hat, dass sie 1986 als Besucherbergwerk eröffnet werden konnte. Für sein beispielhaftes Engagement wurde er schließlich 2008 mit der Silbernen Halbkugel des Deutschen Nationalkomitees – einem Bundespreis für Denkmalschutz – ausgezeichnet.

Und das sollte nicht die einzige Ehrung des heute 84-Jährigen bleiben. Seit 1943 ist er auch aktiv für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, die DLRG, tätig und bildet heute noch junge Menschen unter anderem zu Rettungsschwimmern aus. Das Verdienstabzeichen in Gold mit Brillanten und der Ehrenbrief des Landes Hessen wurden ihm in diesem Zusammenhang verliehen. „Am Werratalsee wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Eschwege eine Wachstation mit Schulungszentrum der DLRG errichtet“, freut sich Harry Träger, dem der See besonders am Herzen liegt, weil er letztlich auf seine und die Initiative von Erwin Braun, dem Leiter des Bergamtes Kassel, hin entstanden ist.

„Wir haben das zusammen ausgekocht. Wir haben gesagt, wir wollen hier einen großen See schaffen, der später der Kommune zur Verfügung steht. Man muss Folgendes sagen: Bei der Verwirklichung dieses Objekts ist die Firma Oppermann sehr kooperativ gewesen. Da stand nicht nur der Gewinn im Vordergrund, sondern da war wirklich ehrlich die Absicht, eben etwas Vernünftiges zu schaffen“, erklärt er und fügt abschließend hinzu: „Die Zeit bei Oppermann, das war ne tolle Sache, zweifellos. Da war Action drin, da war Power drin, da gab’s keine Uhrzeit. Da wurde gearbeitet, wenn’s nötig war. Wenn’s Brei geregnet hat, dann musste ein Löffel da sein. Und all dies war mir nur möglich, weil meine Frau stets auf meiner Seite stand und Verständnis für meine Arbeit hatte.“


Berkatal, August 2011