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Lutz Wehrum

Ehemaliger LKW-Fahrer

Lutz Wehrum In der Not hilft Lutz
Lutz Wehrum, der von 1968 bis 1995 als LKW-Fahrer für die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH tätig war, wurde als eines von sieben Kindern 1937 in der Nähe von Bad Nauheim geboren. Nach seiner Lehre als Klempner/Installateur, die er im Alter von 14 Jahren begonnen hat, kam er durch seinen Bundeswehrdienst schließlich nach Hann. Münden, wo er nicht nur seinen LKW-Führerschein gemacht, sondern auch 1957 seine Frau Christel kennengelernt hat.

Im Anschluss an seine Bundeswehrzeit hatte Wehrum so die Möglichkeit, im noch heute existierenden Fuhrbetrieb seines Schwiegervaters in Oberode als LKW-Fahrer zu arbeiten: „Wenn ich im Winter bei Oppermanns vorbeigefahren bin, stand da öfter einer und hat die Hand gehoben: ‚Zieh mich mal an, mein LKW springt nicht an!‘ Das haben wir immer gemacht, wenn wir vorbei gefahren sind und daher kannte ich damals schon einen ganzen Teil von den Oppermännern“, erinnert sich Wehrum zurück und fährt fort: „Aber wie es so ist in Familienbetrieben: Man kann nichts verdienen und da habe ich gesagt: ‚Das hat keinen Wert mehr, ich muss etwas anderes machen. Ich muss ja meine Familie vernünftig ernähren und ja auch mal sehen, dass ich ein Haus baue.‘“

Da Lutz Wehrum durch seine Tätigkeit als LKW-Fahrer bereits bei einigen AO-Mitarbeitern bekannt war, lag es für ihn nahe, schließlich selbst bei der Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH vorstellig zu werden. Mit Erfolg: Im März 1968 hatte der heute 74-Jährige seinen ersten Arbeitstag bei seinem neuen Arbeitgeber: „Ich habe 14 Tage lang nur Baggerzähne aufgepanzert. Was auf mich zukam, wusste ich ja nicht. Nach 14 Tagen hat es dann geheißen: ‚Du nimmst den alten Henschel und fährst mit Horst Dörrig nach Vienenburg. Von da aus holt ihr Findlinge als Staustufen für die Oker.' Die haben wir dann gebaut, es sind Spundbohlen eingeschlagen worden und wir haben die Findlinge davor gelagert.“

Ehemann vermisst
Kurze Zeit später fuhr Wehrum dann den Sattelschlepper der Firma: „Ja und seitdem habe ich immer Maschinen hin und her gekarrt, auch Anlagenteile für die Anlage, die lang und schwer waren. Wenn man jeden Tag bei Oppermanns unterwegs ist, Bagger fahren, Raupe fahren, Lader fahren, aber auch die Brecheranlage bedienen und und und, da war jeden Tag voll zu tun. Morgens haben wir spätestens um 6 Uhr angefangen und Heim gekommen sind wir um 20, 21 Uhr oder gar nicht. Das ist eben passiert. Meine Frau hat mal in der Firma angerufen, wo ich denn wäre, ob ich überhaupt noch leben würde. Da war ich drei Tage weg. Da haben wir eine Anlage aufgebaut und nach Northeim gefahren und das ergab sich eben so. Das musste fertig werden und da bin ich nicht nach Hause gekommen“, erklärt Wehrum.

Lutz Wehrum in den 1980er Jahren in Breisgau mit einem Iveco Sattelzug Bei den zahlreichen Transporten, die er für das Unternehmen abgewickelt hat, wurde es oft mal später, z.B. wenn der Oberodener die eine oder andere Hürde nehmen musste: „Ich habe ein Baggerunterteil – 7,40 Meter breit – nachts zur Autobahn durch Kassel gefahren. Es mussten alle Leitpfähle rausgenommen werden, weil ich breiter war als die Straße. Alle Schilder abgebaut. Das kann sich gar keiner vorstellen! Drei Leitpfähle habe ich trotzdem umgefahren. Und dann kam der Polizist, weil wir ja vorne und hinten Polizeibegleitung hatten: ‚Die müssen Sie bezahlen!' Da habe ich ihn ausgelacht und habe gesagt: ‚Wie kommen Sie denn darauf? Wir sind einmal versichert und außerdem machen wir die Leitpfähle raus und stecken sie wieder rein. Das können wir mit den drei Pfählen, die umgefallen sind, auch machen.‘ Da war für mich die Sache erledigt.“

Bei ernsthafteren Problemen konnte sich Wehrum auch immer voll und ganz auf den damaligen Firmenchef Bernhard Oppermann verlassen: „Ich lasse auf unseren Chef nichts kommen. Ich konnte den Tag und Nacht anrufen, was ja öfter mal passiert ist. Das war immer in Ordnung. Er hat nie geknetert oder irgendwas. Wenn man nachts angerufen hat, hieß es: ‚Ich bringe das in Ordnung. Ich sorge dafür, dass Euch geholfen wird. Das hat er immer gemacht. Also da kann man nichts zu sagen. Für mich ein guter Chef. Ich mochte den einfach.“

Ein Küchentalent im Ruhestand
Nach 27 Jahren Firmenzugehörigkeit meldete sich plötzlich Wehrums Herz zu Wort und signalisierte ihm, dass es an der Zeit ist, entschieden kürzer zu treten: „Ich habe einen Herzinfarkt und drei Beipässe bekommen und dann wurde ich ja erstmal krankgeschrieben.“ Der medizinische Dienst hat ihm damals geraten, zu Hause zu bleiben und sich mit dem Gedanken an den bevorstehenden Ruhestand anzufreunden: „Ich war ja auch schon fast ein Jahr zu Hause. Man hat sich ja schon langsam ans Rentendasein gewöhnt. Trotzdem habe ich dann noch ein Jahr bei Oppermanns gearbeitet.“ Damals wurde ein Eimerketten-Schwimmbagger aus Frankreich geholt, mit dem heute noch in Niederhone der Kies gefördert wird. Lutz Wehrum musste nicht lange überlegen, als die Firma ihn fragte, ob er für dieses Projekt und für das Abwickeln weiterer Kleinaufträge noch einmal zurückkommen würde: „Ich hatte ja auch keine Ruhe im Hintern, ich wäre ja auch wieder richtig arbeiten gegangen. Aber damals mit den Beipässen hat man eben gesagt, das sollte man nicht tun. Heute arbeiten die Leute trotzdem.“

Nach seinem letzten Arbeitseinsatz bei AO nutzte Wehrum die ihm im Ruhestand zur Verfügung stehende Zeit vor allem dazu, einem seiner beiden Söhne zu helfen, der sich gerade mit einer eigenen Zaunbaufirma selbständig gemacht hatte. Außerdem fuhr und fährt er mit seiner Frau jetzt wieder öfter in den Urlaub, erledigt Arbeiten am Haus und hilft, wo er kann, im Haushalt: „Ich muss sagen, dass ich auch etwas kochen kann. Ich war, als ich bei der Bundeswehr war, im Küchenkontor und da hat man mir gesagt: ‚Du brauchst nicht auf’m Sessel rumsitzen. Du kannst ruhig ein bisschen mit in die Küche kommen, das schadet nichts. Und so hab ich vom Küchenchef kochen gelernt“, erzählt der Hobbykoch und seine Frau Christel fügt lachend hinzu: „Und dann sagt er mir jetzt nach 51 Jahren Ehe wie die Kartoffeln gekocht werden!“


Oberode, Dezember 2011